Slowenien und das dauerhafte Grinsen.

Das Land und die Leute haben mich verzaubert, ein Event, an dem ich nicht eine Sekunde rischtigen Spaß hatte, lässt mich ihm verfallen und ans Aussiedeln denken. Erste Stimmen erhoben sich bereits zur Teilnahme, als ich meinen Plan vom Bauernhof direkt neben Kurve 8 vermeldete. Aber zurück zum Anfang:

 

Die Slowenen zeigten sich abermals als grenzenlos entspanntes Volk. Ob Hotelangestellte (großartig: Drei-Gänge-Abendbrot für 6,50€ ), die grinsenden Streckenposten, die Organisatoren (die sich am kurz vor der Abfahrt besorgt erkundigten, ob ich mich amüsiert hätte und ob ich nicht noch eine Flasche

Sliwowitz mitnehmen wollte, den hatte ich doch so gemocht?), die Köche oben am Berg    
oder auch die Bewohner der kleinen Ortschaft, die mir in der Schlange der kleinen Dorfkaufhalle ihre Käsesorten erklärten, waren bezaubernd. Sei es die Reinigungskraft des Hotels, die mich fragte ob es möglich sei mein Brett zu leihen, sie würde zu gern auch einmal ein paar Meter schnell fahren, auch wenn sie bestimmt nicht gut sei und vielleicht hinfallen würde. Oder der Barkeeper, der lieber auf ein Trinkgeld verzichtete, damit ich mein Wechselgeld nicht in Münzen mitnehmen müsste oder die Anwohner auf dem Fest zum ersten Mai, die sich freudestrahlend zeigten, als ich anmerkte das Bier könnte man hier durchaus trinken und günstig sei‘s ja auch. Kurzum: Slowenen sind ein beeindruckendes Volk. Ich fühlte mich willkommen und beheimatet, ein besseres Gefühl gibt es für mich in anderen Ländern nicht.

 

Die glücklichen Fügungen begannen mit Jankos Papa Steffen, der sich spontan bereit erklärte, uns in seinem luxuriösen Firmenbus die elf Stunden hinzufahren. Ein Uhr Nachts am Ziel angekommen, empfing uns auch schon binsendicht Team Deutschland. Domme und Hertli zogen mich aus dem Auto und im selben Augenblick wurde mir bewusst, dass die acht Monate harter Winter, skatefreie Dürre und grauer Himmel vorbei waren. Nichts machte auf die lange Zeit

aufmerksam, die man sich gegenseitig nicht gesehen hatte. Ich stand keine vierzig Sekunden auf slowenischem Boden, da wurde mir ein kaltes Dosenbier in die Hand gedrückt – der Beginn des ersten Events des Jahres und ich spürte deutlich: Die Welt hat mich wieder. Am ersten Tag dann verzögerte sich leider der erste Run ganz deutlich, da es Unstimmigkeit in der Absprache mit den Sanitätern gab. Nichtsdestotrotz warteten alle entspannt im Schatten, Einzelne übten Wheelies oder Standies, als ein wirklich dämlicher Unfall passierte: Jemand, der am Straßenrand einfach nur stand und wartete, wurde so hart umgefahren, dass drei Rippen und sein Knie brachen. All meine Grüße und Wünschen gehen an den armen Kerl, der noch vor dem Betreten seines Brettes verletzt wurde. 

Aber dann.

Da ausgestattet mit neuster Rennmaschine „dh93“ von Olson& Hekmati, beschloss ich vernünftig zu sein und ging als erstes WICHSEN, um das neue Brett erstmal kennenzulernen. Ja richtig, „The Vixen“, die sanftere Strecke des Camps bietet den ultimativen Running Gag. Und nein, es wird niemals unlustig, unter keinen Umständen, niemals nicht, andere Leute zu fragen ob man dieses Mal gemeinsam wichsen wolle. Diese Strecke hat nur eine Kurve, den Rest machen ein paar schöne Sweeper aus. Train-Fahren, Chicken Runs  und Draft-Spielchen bieten sich hier also an. 

   Durch das gesamte Camp zog sich permanent eine entspannte Atmosphäre. Die Landschaft in Slowenien ist eine der schönsten je gesehen. Die Berge reichen zumeist bis zur Baumgrenze, wodurch man ringsum von grünen Hügeln umgeben ist. Der glasklare Fluss „Kupa“ bildet die Grenze zu Kroatien und eignet sich hervorragend für Schock-Aufwach-Therapie am morgen. Oder aber man landet feenhaft beim Pinkeln drin. (Keine Anspielung, auf keinen Fall.)


 

Nadim,Mihael, Nadja und all die andere Organisatoren (die ich leider namentlich nicht kenne) habe großartiges geleistet. Die Strecke war üppig mit Stroh gesichert. Keine auch nur halbwegs unsichere Stelle fiel mir ins Auge, der Shuttle kam so bald wie möglich nach den letzten, die die Strecke hinabfuhren. Auf Vixen konnte man sogar zwei Abfahrten in der Zeit von einem Bären machen. Ich wüsste nicht, wie man das hätte schneller oder effizienter absolvieren können. Auch gab es wie versprochen durchgehend Wasser zur Verfügung.  Jeden Tag prügelte die Sonne auf uns nieder, wobei der stetige Wind sogar das angenehm machte (und ziemlich bizarre Sonnenbrandformen erklärt… weiße Ellenbogen und braune Oberarme).

Der Bär ist mit 14 Kurven schon nicht entspannend, doch lässt sich diese Strecke durchaus safe fahren, auch ohne jahrelange Erfahrung. Die Breite der Strecke, die sich komplett zum abcarven nutzen lässt und auch der gut slidebare, dabei bremsende und Wheel-schonende Belag (ja, das gibt’s) bietet für sämtliche Geschwindigkeitsstufen alle Möglichkeiten.

Und natürlich lässt sich das gute Stück auch heizen, wie nicht zuletzt Team Deutschland und Team Graz gerne bewies. Auffallend war der hohe Leistungspegel, den ich auf einem Freeride gar nicht erwartet hatte. In Kombination mit völlig abwesender Konkurrenz-Denke oder Feindseligkeit, kann ich nur schon wieder betonen, wie viel

Spaß das Ganze war.

Ich seh euch wieder im Sommer, Danke für alles!

Ps: Unfassbar geile Fotos? Definitiv. Danke an  Moitzapinky Photos vom Longboard Magazin Slowenien. http://www.longboard.si

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