Zurück zu den Worten, endlich.

Aber Miriam schien das nicht genug, sie wartete zu lange, und Warten ist, was am meisten zur Verzweiflung bringt und irre reden lässt und zermürbt und sagen lässt: „Hab ich dich jetzt“ oder Du gehörst mir“ oder „Mit mir in die Hölle“ oder „Ich bring dich um“, es ist wie ein riesiges Gewebe ohne Naht noch Verzierung noch Falte, wie ein unsichtbarer oder rötlicher Himmel ohne Winkel, die ihn verdecken, ein undifferenziertes, regloses Ganzes, in dem sich keine Fäden erkennen lassen und es nur Wiederholung gibt, aber nicht die Wiederholung nach Ablauf der Zeit, die nicht nur erträglich, sondern angenehm ist, nicht nur erträglich, sondern notwendig (man kann nicht akzeptieren, dass gewisse Dinge sich nicht wiederholen werden), sondern ständige und pausenlose Wiederholung, ein endloses Rauschen oder ständiges Einebnen dessen, was kommt.

Nichts ist genug, wenn darauf gewartet wird, etwas muss aufgeschlitzt werden mit der geschliffenen Klinge, oder etwas muss verbrannt werden mit der Glut oder der Flamme, nichts ist genug nach der Geringschätzung und dem Abschwören und der Verachtung, danach kann man nur den folgenden und folgerichtigen Schritt gelten lassen, die Beseitigung, die Auslöschung, den Tod dessen, der aus dem Territorium vertrieben wurde, dessen Grenzen das Kissen zieht. Der fleischige Mond, die angelehnte Balkontür, der drückende Büstenhalter, das nasse Handtuch, das heimliche Weinen im Badezimmer, das Haar oder die Falte auf der Stirn, die schlafende Frau und die Frau kurz vor dem Einschlafen, der Singsang derjenigen, die weiter wartet: „Du musst sie umbringen“, hatte Miriam gesagt.

Javier Marías- „Mein Herz so weiß“

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