Durchfall.

Scheitern fällt mir schwer. Ok, das ist eine so konkrete Aussage wie: Essen tu ich gern. Anders: Ich war früher das Kind, dass bei Mensch ärgere dich nicht beim Verlieren das Spielbrett vom Tisch gefegt hat. Ich weiß, total sympathisch.

Heute bin ich zum dritten Mal durch die Praktische Autofahrprüfung gefallen. Ich war jetzt so oft auf diesem Übungsparkplatz der Fahrschule, ich hab mittlerweile Prüfungshomies. Wir haben die gleiche Anzahl Prüfungen und sehen uns immer mit blockiertem Lächeln an Freitagen auf diesem Platz, alle zwei Wochen. 

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Sieht unschuldig aus, und verfolgt mich doch des Nächtens: Der Übungsparkplatz.

Nachdem ich mich die letzten Wochen viel damit auseinander setzte, warum ich in Prüfungssituationen so aussetze, warum ich bei Klassenarbeiten grundsätzlich Blackouts hatte, bei Lesungen noch immer so viel Whiskey trinken muss, dass ich die anschließenden Fragen nicht ohne lallen beantworten kann, warum ich früher vor Downhillrennen  weder schlafen noch essen konnte (zumindest das wurde besser) oder warum ich in zehn Jahren Hip Hop Tanzen im Training die zweitbeste und auf der Bühne ein Stück Holz war. 

almabtrieb newtons shred glori und dana

Almabtrieb 2014. Nicht mit im Bild: Der Sonnenstich, den ich nach dem Rennen aufgrund mangelnder Nahrung und Flüssigkeit hatte. Scheiß Nervosität.

Ich bin Prüfungsscheiße. Es gibt sicherlich einen treffenderen psychologischen Ausdruck und ich habe nicht wenig darüber recherchiert, habe mit einer Therapeutin und zwei Esofreunden drüber philosophiert und die verschiedensten Dinge gegen meine Panik in Prüfungssituationen ausprobiert, mittlerweile fehlt nur noch Valium. Selbst Rotwein war schon dabei. Die Nacht davor, damit der Kater die Kopfstimme ausknipst.

Aufgrund zahlreicher Anekdoten von Freunden und Kollegen weiß ich nun, dass durchfallen in der Führerscheinprüfung in Österreich nicht unüblich ist, die Zahlen sind höher als die meiner Freunde in Deutschland. Die wacklige Theorie, die ich mir bisher aufgestellt habe, geht in etwa so, dass man die Differenz im Preis des Führerscheins im Allgemeinen durch die vielen Prüfungen wieder reinholt. Kann ja kein Zufall sein, dass ich vergangenen Freitag eine von vier Leuten war, die zum dritten Mal antrat. Wie gesagt, Homies. 

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In diesem herzigen Lokal warten die Schüler auf ihre Prüfung. Je nach Reihenfolge kann das um 14 oder 20 Uhr sein. Letzteres war wohl Rekord nach Antritt um 12.

 Und während ich in Tagträumen in einem Trenchcoat hinter Ecken hervor schielend in einer Reportage die mafiösen Machenschaften des Österreichischen Verkehrsamts aufdecke, bleibt mir doch dennoch die Frage, was nun?

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„Ich fahr jetzt nicht mehr, Friedl, sag ich meinem Fahrlehrer. Is mir scheiß egal. Fahr ich halt ohne Lappen, das passt mir eh gut.“

„Nein“, sagt er. Du schaffst das.“ Ich bin mir nicht sicher.

In der Fahrschule kennen mich alle, sogar mit der Reinigungskraft hab ich schon geschnackt. Ich bin ja seit Oktober irgendwie ständig da und da alle meine große Fresse mitbekommen haben (ich fluche sehr gern, auch viel, beim Auto fahren noch lieber) wird mit Kommentaren nicht zurück gehalten. Der Chef, ein riesiger Berg an Mann mit Glatze, begrüßt mich zu jeder Prüfung mit den Worten „Oh, Deja vu, die Gefährliche schon wieder“ und will meinen Pass nicht mehr sehen, weil er meine Daten auswendig kennt. Die Fahrschüler, die ihre erste Prüfung abhalten, gucken dann noch nervöser und verstehen nicht, warum die erfahrenen Prüfungsdurchfaller Geschichte über üble Prüfer austauschen.

Prüfer A sagte: „Sie fahren nervös. Außerdem hätte dort ein Fahrrad kommen können, das hätten sie dann vielleicht übersehen.“

Prüfer B sagt: „Sie fahren generell zu langsam. Sie müssen schneller fahren.“

Prüferin C sagte am Freitag: „Sie fahren technisch sehr sauber und sicher, aber rasen wie eine Rennfahrerin.“ Ahja.

Die Mindestzeit der Prüfung beträgt ohne die Rangier- und Einparkübungen am Platz 25 Minuten. Darüber hinaus entscheidet alles der Prüfer. Der Vorletzte ließ mich eine exakte Stunde durch den Freitagsverkehr vor einem verlängerten Wochenende fahren.

Ich hab nächste Woche Dienstag wieder Prüfung, diesmal Motorrad, das zweite Mal. Vorschläge zur Bekämpfung des eigenes Kopfdruckes sind gern willkommen. Bis dahin werde ich im Traum von Prüfern auf der Rückbank verfolgt und hoffe auf freie Landstraßen, bald.

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