Auf Hochtouren, erstmalig.

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Norman, ich. Selfie 4 lyfe.

Zum einen sind Fahrlehrer eine ulkige Gruppe Mensch, bestückt mit einem Typus Mann, mit dem ich sonst wohl nie so viel Zeit verbringen würde. Männer, denen ich wohl irgendwie ans Herz gewachsen bin, anders kann ich mir nicht erklären, dass Norman mich am Wochenenden ab 9 Uhr Morgens auf einen Motorradausflug mit zwei Freunden mitnimmt. Damit ich, Zitat: „Endlich lerne Motorrad zu fahren. Unter jeder Bedingung.“ Sicher, ich bin nicht die einfachste Schülerin, weil bereits 27 und schon lange raus aus Systemen, in denen ich brav und folgsam sein muss. Mach ja nicht aus Zufall Kunst und seltsame Sportarten, mich ziehts stark hin zu einer vermeintlichen (!) Regellosigkeit. Dazu dann noch Perfektionismus und die Vorliebe zu Fahrtwind und du hast eine schwierige Schülerin, sorry, ey. Kann aber trotzdem ganz netter Umgang sein, schwör.

Tour.

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Drei Yamahas, eine Kawasaki. Viel Brummen, viel.

Rückblickend hätte ich das Wetter genauer ansehen sollen, auch Wind und Temperatur im Schatten bedenken sollen, aber vielleicht lernt man das auch nur auf die harte Tour. Woher genau soll man wissen, wie viele Kleidungsschichten erforderlich sind, um bei Windstärke 7 (ich scherze nicht) und 110 km Fahrgeschwindigkeit nicht komplett durchzufrieren. Eine heiße Entdeckung konnte ich machen: Komplett perforierte Sommerlederhandschuhe sind auf jeden Fall nicht die Antwort.

So war die Aufregung um meinen ersten richtigen Trip getrübt durch acht Stunden permanentes Frieren. Ja, acht. Vllt hätte ich auch was frühstücken sollen, hatte aber nichts mehr im Kühlschrank. Wer in Wien wohnt und Sonntags Hunger hat, wird die Intensität dieses Problems kennen.

Schön wars dennoch.

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In dem Eierhof war ich pinkeln. Das ist jetzt eine Info im Internet.

 

„Ich hab dich beobachtet, was genau machst du mit den Armen? Warum winkelst du die an, sobald du schneller wirst und lehnst dich nach vorn?“

„Ich, äh, mach mich windschnittig“, sage ich. „Du brauchst gerade Arme und lenkst die Maschine von den Schultern her aus!“ Norman ist nicht zufrieden mit mir. Sein Bruder Willi wird unrund, er ist hier der gute Cop. „Norman! du kannst ihr trotzdem auch sagen, dass sie die beste Anfängerin ist, die du je mitgenommen hast! So einen Kurvenstil haben manche nicht nach 10 Jahren!“ Danke Willi, sage ich. Vielleicht doch nicht komplett alles falsch gemacht. Ich lächle matt.

Wir halten vor einem Restaurant. Es wird hin und her diskutiert, dann winkt Norman und deutet mir an, die Maschine vor dem Randstein links abzustellen. Gleichzeitig kommt von hinten ein Auto, ich werde unruhig. Das Rangieren mit der MT07 ist mir immer noch fremd, ich komm mir dabei dämlich vor, das Ding ist so schwer. Will leicht Gas geben um in Schrittgeschwindigkeit anzurollen, gebe zu viel Gas, lass die Kupplung los, ein Anfängerfehler, den ich bisher in keiner der Stunden fertig gebracht habe, das Motorrad stirbt ab und neigt sich. Da ich sitze und meine Beine gerade nicht weit geankert am Boden hab, kippt die Maschine schnell nach links. Mein Instinkt sie festzuhalten, verpufft ungläubig und schon fallen Motorrad und ich auf den Boden. Es ist still. Mein Knie schmerzt. Die Männer heben die Maschine auf und mich hoch. Norman: „Was machst du? Du kannst nicht angasen und die Kupplung schnell auslassen, das weißt du!“

Er haut mir spielerisch auf den Helm, dann sieht er den Schreck, der noch auf meiner Mimik hockt.

„Bist du ok? Hast du dir weh getan?“ Ich nicke und schüttle den Kopf. Bin ok, murmele ich. Kenn jawohl Stürze, kenn das alles, bin tough, macht schon nichts. Mein Mund labert ohne das mein Hirn zuhört, der Schreck krallt sich fest. Geh ein paar Schritte und merke, dass es ordentlich zeckt. „Warum konnt ich die nicht festhalten?“ sage ich. Ich bin stark. Raff das grad nicht, dass ich die nicht festhalten konnte.“ Bin sauer auf mich selbst, das verdaut sich schlecht.

Willi sagt sehr vorsichtig: „Die MT wiegt 200 Kilo. Die kannste unvorbereitet nicht einfach so festhalten. Die lässte dann beim nächsten Mal besser los, damit du nicht drunter liegst.“

Die Rückfahrt war ruhig. Ich bin wieder schnell gefahren und habe wieder über das zitternde Bild in den Spiegeln gestaunt. Ein Kumpel verriet mir später den Trick, bei schnellen Geschwindigkeiten die Kupplung zu ziehen, damit man was erkennen kann. So viele Tricks, so viel zu lernen. IMG_9732

Da ich ohne Norman und die gelben Fahrschultrikots nicht allein nach Hause fahren darf, fahren mich Kai und Willi nach Haus, ich hinten drauf bei Willi. Auf meinen Vorschlag, ich könne auch die Bahn nehmen, um keine Umstände zu machen, erwidert er:„Wir kommen zusammen, wir gehen zusammen“ – ein schönes Credo.

PS: Die Prüfung am letzten Dienstag hab ich bestanden. Freude ist kein Ausdruck, keiner. Mein Grinsen: kilometerweit.

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