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nicht nichts. / Logbuch Sommer 2016 / III

Komme zurück vom Rennen in Insul und bin wie üblich nach solchen Events völlig erledigt. Doch diesmal ist mehr. Die letzten Monate schlagen über mir zusammen. Der Umzug nach Berlin, das Weggehen aus einer Stadt, auf die ich nicht klar kam, die auf mich nicht klar kam. Der Mann für den ich geblieben wäre. Alles kehrt auf einmal zurück und tritt mir einen Abdruck in den Brustkorb. Pause.

Innsbruck. 15.08. –

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liege im bett. draußen der berg, hinter dem fenster, wartet. er: draußen, wartet. ich: drinnen, versuch der nullexistenz. schlafe. immer wieder, ewig. schlafe zwei einhalb tage lang. dazwischen gucke ich filme, während wasser mein kinn verlässt. denke es ist soweit. entweder ist das hier mein kaputt gehen oder ich heile. was weiß ich.

dein name kriecht durch meine eingeweide, ich spüre die winkel und windungen, durch die du mich durchwanderst.

du dort, in deinem zuhause, unbeschwert. ich hier, zerfasernd. fair ist das nicht, aber das wir war auch nicht fair.

meine freundin anna, in deren WG ich rumliege, klopft ab und zu, schreibt mir nachrichten.

bist du wach?

schläfst du noch?

ruh dich aus.

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sobald ich abends schweren alkohol mit schweren joints kombiniere, kann ich lachen. ich erzähle, werde hörbar, schau in menschengesichter ohne meine ellenbogen vors gesicht halten zu wollen. so viel herzlichkeit wie hier in dieser kleinen stadt bin ich nicht mehr gewohnt. niemand hier dreht sich nach mir auf der straße um, wenn mein springender berliner satzklang hörbar wird. noch keiner hat mir piefke ins gesicht gezischt.

es wird von tag zu tag besser. dein geruch verflüchtigt sich, dein umriss bleibt länger, aber auch er geht. ich schüttle wien; um dich; in mir ab, vergesse, dass ich teil von euch war, will nichts mehr hören. das war eine andere zeit, ich habe dort nicht gelebt. 

denke an ein zuhause wie ans erwachen aus einem schiefen traum. 

 

 

 

 

Bruce die SR, wir.

Nach der intensiven ersten Fahrt mit der SR400 hat sich die erste Aufregung irgendwann gelegt, ich und das nachtschwarze  (Wink mit der Blockhütte ob des Namens..) schöne Gefährt wurden sowas wie Freunde. Und damit da ein schöner roter Faden bleibt, setze ich mir in den folgenden Tagen immer mal meine liebsten Freunde hinter mich und sage: „Gut Festhalten. Vor allem beim Anfahren und in Kurven.“ Desweiteren bin ich jetzt ein Mensch, der so Sätze sagen kann wie: „Klar fahr ich dich nach Hause.“ oder „Waaaas hast du gesagt?“, wenn aus zwei Helmen Unterhaltungen gegen den Fahrtwind arbeiten.

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Auch selten: Wenn was mit dem Studentenbudget klar geht.

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Der Tankdeckel zickt, Lena bleibt geduldig.

Lena kommt vorbei. Sie ist klein und wiegt quasi nichts, optimale erste Mitfahrerin. Wir setzen uns grobe Ziele für den Tag, etwa bei einem Freund vorbeizusehen und fahren ansonsten drauf los. Zumindest die viele ungeplante Zeit erweist sich als richtig, Wien ohne Navi, mit zwei Fahrradfahrern auf nem Moped: Interessant. Irgendwann mimt Lena mit meinem alten Schrammel-Iphone in der Hand den Kompass, verfahren tun wir uns dennoch oft, aber: Wurscht. In Meidling, einem der größten Bezirke Wiens verfahren wir uns satte anderthalb Stunden, sowas lässt sich mit Stopps für Wassereis ebenfalls gut finden.

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Woran erkennt man einen freundlichen Motorradfahrer? An den Fliegen in den Augen. Visier nach wie vor nicht lieferbar.

Strecken auf der Hinfahrt sind in dieser Stadt nicht das gleiche wie auf dem Rückweg. Wir brettern auf dem Ring entlang, an dem Rathaus vorbei, dem Museumsquartier, klappern die Wahrzeichen ab und sind unser eigenes. 

Rollerfahrer fühlen sich grundlegend von uns herausgefordert, vor allem da zweimal langes Haar unterm Helm, oder weil Bruce so schön ist. An den Ampeln gas ich an, zwei Leute mit Faust in der Luft und Indianergeheul vorne, hinter uns die lange dicke Autoschlange.

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Die SR ist eine schöne Gurke. Sie blubbert ganz herrlich, die lange Sitzbank fühlt sich an: Wie ein kleines Sofa, das in einem Meter Höhe durch die Luft wischt. Zu zweit muss Bruce im ersten Gang schon ackern, aber ist halt auch keine Rennmaschine. Über den Tag verteilt winken uns Menschen aus Autos zu, alle finden das Moped schön, unsere Knattergeräusche vielleicht auch, die Laune ist gut, bedrohlich findet uns eigentlich keiner. (Verdammt. Vielleicht doch nächstes Mal wieder die Sturmmaske unterm Helm.)IMG_0003

Spät kehren wir zurück, die Nacht ist entspannt, kaum wer auf den Straßen, Bruce vibriert – man muss es sagen- angenehm,der Tank ist wieder voll.  100-120 km schafft der, so viel weiß ich jetzt als Richtwert, die Tageskilometeranzeige haben wir brav zurückgedreht.

Zum Abschluss gibts Käsekrainer und Almdudler – zwei Piefke in Wien. Morgen bring ich Bruce zurück, dann wird er verkauft und ich bekomm eine andere Maschine zum testen. Oh, sowas wie Abschiedsschmerz kommt auf.

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Das „Navi“ für die Fahrt zur Yamaha- Zentrale. Danke für den Tipp Felix!

Fotos: Lena Ures, Gloria Kupsch, Patrick Morawetz

#2 Taube

Sie verbuddelte die Szenerie irgendwo im eigenen Schlamm, stopfte sie unter andere Schichten und dachte nicht mehr daran. Der Stress wollte nicht verschwinden, machte sie fahrig. Auf dem Briefkasten im Hausflur stand seit zwei Tagen ihre Kaffeetasse. Das Handy entglitt ihr mehrmals, rutschte aus der Hand und schlug hartkantig auf gefliestem Boden auf. Termine vergingen ohne Kenntnisnahme, ihre Pflanzen wurden farbloser, dann gebückt. Oft stieß sie sich an Kanten, fand alle Ecken mit der Hüfte. Teewasser verbrühte ihr an zwei aufeinanderfolgenden Morgen das Handgelenk.

Es ist alles in Ordnung.

Ich komm damit klar.

Ihr Mund verschränkte sich.

#2

Text, Bild: Gloria Kupsch

Noob trifft Vintage.

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Vorläufiger Führerschein – der rosane kommt noch. YASS.

Hast du den Disclaimer gelesen? Du darfst mit dieser Maschine nicht auf die Autobahn, das ist ein Pressemodell und hat keine Vignette.

Während die Fistelstimme in meinem Kopf zur Tetrismelodie wiederholt: Motorrad, Motooorrad, ich krieg ein Motooorrad.  Nicke ich nach außen hin, mache mit ernstem Blick mmmhm, und ja klar-Geräusche. IMG_9901

Yamaha Österreich, Standort Biedermannsdorf nahe Wien. Folge Richard in die Werkshalle voller Yamaha-Gefährte. Er schiebt die dunkle SR 400 raus, Baujahr ca. 1994. Die hier hat nen Kickstarter, der kann schon mal tückisch sein. Bist du sowas schon gefahren? fragt er. Nein, sage ich.

Weiß der eigentlich, dass ich noch nie allein gefahren bin? Wissen die, dass ich kein echter Erwachsener bin? Frage mich, wann meine Tarnung auffliegt. Nach 27 Jahren Beifahrerdasein, gelingt es mir nicht, die surreale Blase abzuschütteln, die dieser Führerschein aufzieht.  Richie demonstriert mir das Antreten des Kickstarters.

 

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Rechter Fuß. Das ist die Seite, wo mein Knöchel seit einem beidseitigen Bänderrriss nicht mehr so schön tut.  Brauche 15 min bis die Maschine anfängt zu blubbern. Verstehe jetzt warum Motorradstiefel feste Sohlen haben. Sobald der Kickstarter sich verhakt und mein Fuß in Sneakersohle den Schwung des Tretens fressen muss,  brüllt mein Knöchel. Auch die 180 Kilo am Lenker festzuhalten, auszubalancieren, während das gesamte Gewicht auf dem linken Bein ruht und die Kraft in den rechten Fuß geballert wird.. nicht ohne. Meine Bauchmuskeln sind anschließend deutlich spürbar, ich bin nass geschwitzt. Der richtige Zeitpunkt, um meine wetterfeste Jacke mit den schönen vielen Protektoren anzuziehen.

Du hast nur die Reserve drin, ruft Richie mir nach, tank sobald wie möglich! Ich nicke und fahre davon. Ich. Fahre. Motorrad.

Ob man mir ansieht, dass ich keinen Plan hab? Eiere durch Biedermannsdorf und wiederhole in meinem Helm die Worte.  Keiner weiß, dass du ein Anfänger bist. Fahr einfach hier schön lange hin und her, zum an die Maschine gewöhnen. Oh. Stau im Dorf. Bleibe in meiner Spur hinter den Autos und schlängle mich nicht vorbei. Ok, jetzt weiß wahrscheinlich schon jeder, dass ich Noob bin. Wo muss ich überhaupt lang? Drehe mich zu den vier Mädels im Auto hinter mir und und rufe durch meinen Helm: Tankstelle? Während ich nach links und recht mit hoffentlich fragendem Zeigefinger deute. Sie zeigen nach rechts. Ich nicke.

Kreisverkehr, biege ab, lande nach 800 Metern auf der Autobahn. Mit einer Maschine, die kaum betankt ist, ohne Plakette. Werde unrund. Soll hier 100 fahren, aber 80 auf der SR fühlen sich an wie 120 auf der MT07, die ich durch die Fahrstunden gewohnt bin. Überall zischen Autos an mir vorbei. Bin winzig und weich, neben all den Metallkisten. Fahre auf der äußersten rechten Spur, notfalls Pannenstreifen, denke ich. Lerne Dinge wie Luftdruck von LKW’s und schnelle Spurwechsel kennen, hatte ich bisher nur in Theorie. Ich schwitze, bin meine eigene Badewanne.  Mein Helm hat noch kein Visier, der Fahrtwind frisst sich in die Augenwinkel, hinter die ungeeignete Sonnenbrille. Schiele permanent auf die Tankanzeige. Die geht noch nicht an. Alles easy, wiederhole es wie ein Mantra. Weiterhin ruhig bleiben.

Fahre verspannt wie ein Schraubstock ab, um durch Wiens Innenstadt zu meiner WG zu gelangen. 200m nach der Autobahn fällt im 1. Gang bergauf die Maschine aus. Shit, was ist? Kupplung nicht lang genug gezogen? Zu schnell ausgelassen?  Bekomme das Motorrad nicht mehr gestartet, schiebe es an den Rand und winke den dreispurigen Feiertagsverkehr der Hauptstraße an mir vorbei.

Notfallstimme: Kick sie wieder an. Bleib ruhig. Das könnte ein technischer Defekt sein. Keiner hält dich für einen Spasten.

Nach vielen anstrengenden Kickstart-versuchen  muss ich es einsehen: Der Tank ist leer. Jetzt leuchtet plötzlich die Tankanzeige. Cleveres Ding. Alte Maschinen und ihre Tücken, realisiere, wie gefährlich meine Fahrt gerade wirklich war. Schiebe 180 Kilo 300 Meter am Straßenrand den Berg hoch, bis ich die SR hinter einer Ampel abstellen kann. Immerhin, auf meiner Höhe hinter der Kreuzung: Eine Tankstelle.

Zerre mir Helm und Jacke runter, finde Person in Signalweste. Sage: Mein Motorrad steht da drüben. Ich brauch dringend einen Kanister und 95er Benzin. Ich hab noch nie getankt. Warum nicht, fragt er.

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Die Männer und Bruce. Mögen sich.

Murmele Dinge wie erste Fahrt, neue Maschine, Noob, Noob, Noob. Er ist nett, zeigt mir das mit Benzin und Kanister. Am Ende verweigert er mein Trinkgeld und drückt mich. Ijla rettet meinen Tag und weiß das.

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Nach einer Verschnaufpause mit Junkfood und Ruhe hats dann noch geklappt. Als ich endlich Peter, einen meiner Chefs ans Telefon bekomme, erzählt er mir auch von dem Trick, die Tageskilometer zurückzudrehen, damit man nach ca. 100-120km wieder zu tanken weiß. Der Rest der Fahrt ist himmlisch. Irre durch Nebenstraßen bis ich völlig zurfrieden Bruce vor meiner Haustür abstelle. Einfach so, ohne Parkticket. Das geht.  Ich habe jetzt ein Motorrad, lasse diese Info sacken. Grinse. Die ganze Zeit.

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Erstmal Kohlenhydrate und Analogkäse, gibt für alles den richtigen Moment.

Durchfall.

Scheitern fällt mir schwer. Ok, das ist eine so konkrete Aussage wie: Essen tu ich gern. Anders: Ich war früher das Kind, dass bei Mensch ärgere dich nicht beim Verlieren das Spielbrett vom Tisch gefegt hat. Ich weiß, total sympathisch.

Heute bin ich zum dritten Mal durch die Praktische Autofahrprüfung gefallen. Ich war jetzt so oft auf diesem Übungsparkplatz der Fahrschule, ich hab mittlerweile Prüfungshomies. Wir haben die gleiche Anzahl Prüfungen und sehen uns immer mit blockiertem Lächeln an Freitagen auf diesem Platz, alle zwei Wochen. 

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Sieht unschuldig aus, und verfolgt mich doch des Nächtens: Der Übungsparkplatz.

Nachdem ich mich die letzten Wochen viel damit auseinander setzte, warum ich in Prüfungssituationen so aussetze, warum ich bei Klassenarbeiten grundsätzlich Blackouts hatte, bei Lesungen noch immer so viel Whiskey trinken muss, dass ich die anschließenden Fragen nicht ohne lallen beantworten kann, warum ich früher vor Downhillrennen  weder schlafen noch essen konnte (zumindest das wurde besser) oder warum ich in zehn Jahren Hip Hop Tanzen im Training die zweitbeste und auf der Bühne ein Stück Holz war. 

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Almabtrieb 2014. Nicht mit im Bild: Der Sonnenstich, den ich nach dem Rennen aufgrund mangelnder Nahrung und Flüssigkeit hatte. Scheiß Nervosität.

Ich bin Prüfungsscheiße. Es gibt sicherlich einen treffenderen psychologischen Ausdruck und ich habe nicht wenig darüber recherchiert, habe mit einer Therapeutin und zwei Esofreunden drüber philosophiert und die verschiedensten Dinge gegen meine Panik in Prüfungssituationen ausprobiert, mittlerweile fehlt nur noch Valium. Selbst Rotwein war schon dabei. Die Nacht davor, damit der Kater die Kopfstimme ausknipst.

Aufgrund zahlreicher Anekdoten von Freunden und Kollegen weiß ich nun, dass durchfallen in der Führerscheinprüfung in Österreich nicht unüblich ist, die Zahlen sind höher als die meiner Freunde in Deutschland. Die wacklige Theorie, die ich mir bisher aufgestellt habe, geht in etwa so, dass man die Differenz im Preis des Führerscheins im Allgemeinen durch die vielen Prüfungen wieder reinholt. Kann ja kein Zufall sein, dass ich vergangenen Freitag eine von vier Leuten war, die zum dritten Mal antrat. Wie gesagt, Homies. 

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In diesem herzigen Lokal warten die Schüler auf ihre Prüfung. Je nach Reihenfolge kann das um 14 oder 20 Uhr sein. Letzteres war wohl Rekord nach Antritt um 12.

 Und während ich in Tagträumen in einem Trenchcoat hinter Ecken hervor schielend in einer Reportage die mafiösen Machenschaften des Österreichischen Verkehrsamts aufdecke, bleibt mir doch dennoch die Frage, was nun?

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„Ich fahr jetzt nicht mehr, Friedl, sag ich meinem Fahrlehrer. Is mir scheiß egal. Fahr ich halt ohne Lappen, das passt mir eh gut.“

„Nein“, sagt er. Du schaffst das.“ Ich bin mir nicht sicher.

In der Fahrschule kennen mich alle, sogar mit der Reinigungskraft hab ich schon geschnackt. Ich bin ja seit Oktober irgendwie ständig da und da alle meine große Fresse mitbekommen haben (ich fluche sehr gern, auch viel, beim Auto fahren noch lieber) wird mit Kommentaren nicht zurück gehalten. Der Chef, ein riesiger Berg an Mann mit Glatze, begrüßt mich zu jeder Prüfung mit den Worten „Oh, Deja vu, die Gefährliche schon wieder“ und will meinen Pass nicht mehr sehen, weil er meine Daten auswendig kennt. Die Fahrschüler, die ihre erste Prüfung abhalten, gucken dann noch nervöser und verstehen nicht, warum die erfahrenen Prüfungsdurchfaller Geschichte über üble Prüfer austauschen.

Prüfer A sagte: „Sie fahren nervös. Außerdem hätte dort ein Fahrrad kommen können, das hätten sie dann vielleicht übersehen.“

Prüfer B sagt: „Sie fahren generell zu langsam. Sie müssen schneller fahren.“

Prüferin C sagte am Freitag: „Sie fahren technisch sehr sauber und sicher, aber rasen wie eine Rennfahrerin.“ Ahja.

Die Mindestzeit der Prüfung beträgt ohne die Rangier- und Einparkübungen am Platz 25 Minuten. Darüber hinaus entscheidet alles der Prüfer. Der Vorletzte ließ mich eine exakte Stunde durch den Freitagsverkehr vor einem verlängerten Wochenende fahren.

Ich hab nächste Woche Dienstag wieder Prüfung, diesmal Motorrad, das zweite Mal. Vorschläge zur Bekämpfung des eigenes Kopfdruckes sind gern willkommen. Bis dahin werde ich im Traum von Prüfern auf der Rückbank verfolgt und hoffe auf freie Landstraßen, bald.

Zeugs anhäufen – Motorradklamotten

Ich bin ein Projektmensch. Neue Sachen find ich eher geil, weil
a) bei Null erstmal nicht viel falsch gemacht werden kann
b) der Fortschritt viel und dick ist.
Motorradfahren also. Wo anfangen? Für meinen ersten Block an Fahrstunden brauche ich Zeugs. Was genau? Wie viel? Von wie viel Geld muss man da ausgehen?

Frage Kumpels und bekomme verschiedene Antworten, aber die Punkte

Helm mit Kinnschutz
Gute Jacke mit Protectoren
wasserdichte Schuhe
Handschuhe

tauchen öfter auf. Ok, denke ich. Is möglich.

Treffe Peter verpennt auf dem Weg nach Vösendorf. Peter war vorher Skatebekanntschaft, dann Kumpel und ist jetzt Kameramann, die Bezeichnungen werden immer abstruser, einer meiner Chefs isser auch, von außen sieht da keiner mehr durch.

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Der Spiegel verrät den Charakter meiner Hippie-WG.

Laufen in den riesigen Shop 2 Rad Börse Süd nahe Wien und ich denke „Oh. Hier lässt sich Geld loswerden. Gut, dass ich pleite bin.“
Die Helme erweisen sich alle als entweder hässlich oder ohne Kinnschutz. Der erste Helm, der mir gefällt, ist auch einer der wenigen in Größe S und leider nicht ganz billig, da geil und Oldschool Look und so. Passt wie angegossen, ist mir noch nie passiert. Ok, Helm: Check. Was noch?

Handschuhe. Das hier sind die Frauenhandschuhe, sagt die Verkäuferin und grenzt mit einer wischenden Geste ungefähr 2% der großflächigen Handschuhfläche ab.

Tribals – nö.
Pinke streifen – nö.
Oh guck, die hier.. doch nö. Haben keinen Knöchelschutz.

Die Frauenhandschuhe passen teilweise gut, sehen aber kacke aus.
Bei den Männern hängen ok-aussehende Modelle, aber die Größen stimmen nicht. Habe lange, aber schmale Finger. Hm. Müsste lügen, wenn ich das nicht in jeder einzelnen Sportart schon so kenne.

Entscheide mich für ein schlichtes schwarzes Modell, auch mit die günstigsten, nicht für Frauenhände mit eher dünnem, weicherem Knöchelschutz. Fürn Anfang… denke ich. Wird schon ok sein.

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Ich verlange einen Fleißpunkt für Inszenierung.

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Der restliche Einkauf läuft ähnlich ab:
Verkäuferin: Ja also hier hätten wir die Damenjacken.
Glori: Oh. Das sind wenige. Gibts auch welche ohne pinkes Zeugs oder Tribals?
V: Die hier. Die ist braun.
G: Ja aber die hat orangene Streifen. Will ich nich.
V: Dann gibts nur die Schwarze hier. Die bedeckt aber nicht die Nieren, wenn Sie sitzen.
G: Ahja…ich probiere mal die hier.
V: Aber die is schon sehr schlicht.
G: Ist ok, gibts die Schuhe hier in ner 40,5?
V: Das sind Männerschuhe.
G: Is mir wurst.
V: Na gut.Was noch?
G:Den Helm und die Handschuhe hier nehme ich auch.
V: Das ist ein Männerhelm. Und Männerhandschuhe.
G: Darf ich die trotzdem kaufen?
V: Ja.
G: juhu.

Nehme eine schwarze, Regenfeste Jacke mit Ellenbogen-, Schulter- und Wirbelsäulen-Protection und rausnehmbaren Innen-Daunenfutter.

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Während der ganzen Zeit probiere ich viel an, Peter filmt. Da wir das zusammen schon seit meiner ersten Auto-Fahrstunde machen und man Peter auch privat ohne Kamera eher selten sieht, nehme ich das nicht mehr wahr. Alle anderen hingegen schon.

Bemerke, dass die Verkäufer uns irritiert beobachten. „Peter“ sage ich. „Ich glaub die halten dich für meinen Sugar Daddy!“ „..mit nem Spleen für Homevideos“, ergänzt er.

Lesung im Literaturhaus Wien

Am 20.1.2016 gab es im Literaturhaus Wien die Jahrgangslesung der Sprachkunst (Die Angewandte.. Kunstschule und so). Da ich bisher Lesungsmuffel war, hab ich mich als gefühlte alte Frau beim jüngsten Jahrgang (Erstis!) dazwischengeworfen. Überraschender Weise kam mein Pöbeln im Essay „Humorös da adipös über die Agrarmesse Tulln gut an. Das Publikum lachte und klatschte an den richtigen Stellen und als ich begann noch mehr zu fluchen, hielten sich Menschen erschrockene Hände vor Münder. Ein alter weißer Mann verließ die Veranstaltung während meines Textes, ein Umstand, den ich mit hervorragend bezeichnen würde.

ZWISCHENWELT Magazin

 

Meinen ersten Winter in Wien verbrachte ich unglücklich verknallt, irre vor Heimweh nach Berlin. Ich hatte keine Freunde in dieser Stadt, dafür schöne große Klumpen an Weed mit denen ich die Traurigkeit in meiner Ein-Raum-Wohnung mit Klo am Gang vernebelte. Der Essay in dieser entstandenen kack Phase „Zeit und Inhalt überwintern“ ist vor kurzem im Literaturmagazin „Zwischenwelt“ erschienen.

Einzelausgaben können auch bestellt werden, dazu muss man eine Mail an office[a]theodorkramer.at schreiben und Ausgabe Nr. 4 „Auf der Flucht“ Dezember 2015 bestellen. Leider nicht so mega easy. Aber immerhin helft ihr, die Zahl meiner Fans auf vier (oder so) aufzustocken. Und das ist doch ein geiles Gefühl. Ein geiles Gefühl.

 

Semesterabschluss – Lesung im Heurigen.

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Ein voller Erfolg.

(Erfolg schreibt sich: Entspannte Atmosphäre, ordentliches lnteresse und viele Fragen,  Whiskey en Masse für die Autoren während meines Bullshit- Theaters „Talkshow“ , das sich in wohlig angetrunkenen Autoren manifestierte. Ich entdeckte dann später selig die Grammerlknödel.  )

Bald wieder. Diesmal mit noch mehr Ideen. Versprochen. Ein Hoch auf Grammerlknödel. Kann man nicht oft genug sagen.