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nah genug dran, weit genug weg. / Logbuch Sommer 2016 / V

Was mir aufgefallen ist: Komme ich an einer Tankstelle an, dann passiert oft das Gleiche, sehr Auffällige, wofür ich noch keine direkte Erklärung gefunden habe. Ich werde hyper-unsichtbar. Ich weiß nicht ob das nachvollziehbar ist, aber ich kenne verschiedene Formen der Hypersichtbarkeit. Ich habe in der Vergangenheit als Model gearbeitet, habe viele Jahre in einer Gruppe Hip Hop und Street getanzt, inklusive Auftritte auf Bühnen. Ich habe oft als einzige Frau in „Männerwelten“ gearbeitet: Beim Messebau oder in Küchen, in Vertrieben und zuletzt stand ich oft für Yamaha als Beratungspersonal auf Messen. Ich weiß wie es ist angesehen zu werden, auch dann, wenn man nicht will, auch dann, wenn es unhöflich wird.

Aber mit dem Motorrad? Ich fahre langsam in die Tankstelle ein. Ich stelle den Motor ab, steige ab. Alle Augen ruhen auf mir, klar, die unübliche Beladung, ich bilde mir wenig drauf ein, Heinz ist gelb. Ich nehme den Helm ab – alles guckt weg. Sehe in die Runde. Niemand sieht zurück.
Was ist hier los? Ein derartiges Nicht-angesehen werden ist genau das Gegenteil von dem, was mir männliche Motorradfreunde berichten und lässt mich interessiert in den Theorisiermodus verfallen.

Generell die Reaktionen: Ich werde wahrgenommen aber nicht direkt angesehen. Männergruppen pausieren ihre Gespräche, wenn ich in meinen schweren Schuhen vorbeilaufe.Wenn ichs verallgemeinern müsste (und tun wir das ruhig, beim Malen nimmt man auch ordentlich Farbe aufn Pinsel) würde ich sagen, dass Familienväter und etwas ältere Frauen wahnsinnig positiv auf mich reagieren. Der Rest: Keine Reaktion. Oft sprechen mich jene Damen an und sagen Sachen wie: Früher bin ich auch selbst gefahren, jetzt nur hinten drauf als Sozius, bei meinem Mann. Oder: Ich würd auch gern den Führerschein machen, trau mich aber nicht.
Klar, Heinz und ich lösen Assoziationen aus, vllt eben wegen der Unüblichkeit. Viele Menschen erzählen mir ihre Geschichten zu Motorrädern, weil ich nahbar bin, weil ich keine Gruppe bin, nicht in eine aggressiv aussehende Lederkombi gekleidet und vielleicht auch, weil ich als Frau einen anderen Näherungswert habe. Ich benutze vielleichts hier, wissen kann ich es nicht, habe nur die eigene Perspektive. Mir werden die Geschichten gern berichtet, ich merke, dass es lange her ist, die Gesichter werden mild dabei, die Erzählenden lächeln und blicken nicht mich an, sondern die Vergangenheit. Von Familienausflügen, vom Papa, der irgendwann aufhören musste als die Kinder kamen, es wurde zu gefährlich. Von dem Jugendkumpel, der bei einem Unfall gestorben ist, von eigenen Unfällen oder dem Urlaub, den man auf einem Roller in Italien verbracht hat und dass man das bestimmt nicht vergleichen könne, aber das Gefühl war auch schon schön und ob mir das auch noch so gehe? Sage: Ich bin vor jeder Fahrt aufgeregt. So mit Herzklopfen und allem.

       Innsbruck in momentanen Häppchen – danke, alte Minolta.

Innsbruck. August 2016

„Wir wollen heut nacht um 3 aufstehen und auf den Berg gehen, sodass wir bei Sonnenaufgang schon dort sind – kommst du mit?“

Ich will mit. Weiß, dass es Zeit für mich wird, zum Berg zu kommen. Habe ihn lange genug durchs Fenster angestarrt. Aber nach den letzten Tagen und dem Wissen, dass meine Stadtkindherkunft irgendwann doch an ihre Grenzen stößt, sage ich ein gedehntes.. vielleicht.
Kann diese Nacht nicht schlafen, gebe die Idee auf. Stolpere gegen 9 aus dem Zimmer und finde sämtliche Mädels in der Küche. Nach kurzer Lagebesprechung ist klar, dass es nachts regnete und es jetzt los geht. Ich bin dabei, bin auf Basis von zwei Kaffee für viel zu haben.

Wir fahren in Annas VW Polo in die Berge. Der Himmel blau und wir sitzen in bunten Fleeceschichten gut gestapelt im kleinen Metallviereck, hören das Beste aus den 70ern im Radio.

Die Umgebung Innsbrucks ist das Äquivalent zu Menschen, die so schön sind, dass man jedes weitere Talent für unfair befindet. Egal wohin ich hier fahre, beim Ausstieg aus einem Auto oder Abstieg vom Sitz hab ich den Impuls zu rufen „Wirklich? Oh kommt schon! Das ist schon wieder der schönste Fleck!“ Die Innsbrucker tun so, als wäre das normal, ich mache es ihnen irgendwann nach.

Da ist er, der Berg. Wolken ziehen zu, pünktlich beim Verlassen des Parkplatzes. Wir laufen in Richtung dunkler Himmel und ziehen bereits jetzt die Ersatzpullover an.

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Ich hab mit meinem Kreislauf zu kämpfen, Kardio ist nicht mein Ding. Murmele den letzten Satz als dysfunktionales Mantra vor mich hin, da der erste Abschnitt zugleich der härteste ist. Wir bewegen uns bei starker Steigung auf  aufgeweichtem Wiesenabhang in die Höhe. Überall steht das Wasser in kleinen Lachen, ich trage meine Barfuss-Fitnessschuhe, die ich sonst zum Langhantelheben anhabe. Grip? Nö. Sehe nach rechts und  auch Annas Freundin Jana hat mit so einem Hang nicht gerechnet.  Ich könnt jetzt meine schiefe Nasenscheidewand erwähnen oder das ich zuletzt mit 12 wandern war oder dass ich sonst nie irgendwo hochlaufe, weil ich eher schwere Dinge aufhebe und Adrenalinsport favorisiere, aber hilft ja nüscht. Jana und ich keuchen viel, reden wenig. Anna läuft voraus und braucht  keine Pausen, ich weiß nicht wie oder wann sie zwischen ihren Erzählungen atmet, aber ihr Kopf ist nicht rot. Wie abgesprochen halten Jana und ich abwechselnd an, um die Aussicht zu genießen oder etwas zu trinken oder Kleidung abzulegen… auch analoge Kameras sind hervorragender Vorwand um stehen zu bleiben und vermeintlich konzentriert zu knipsen, während man hinter dem erhobenen Arm versucht, Luft in das heiße Gesicht zu atmen.

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Zierliche Frauen zu unterschätzen, zahlt sich nie aus. Die topfitte Anna und ja..ich.

Gelangen an der Alm an und essen wie sechs Handwerker: Gröstl mit Spiegelei. Und viel Limonade.

Weiter gehts Richtung Gipfelkreuz, aber vorher will ich zu den Pferden, die ich von der Almterasse aus sah.

Nennt es Sehnsucht, aber bitte, wie nur kann man an solchen Tieren vorbei, ohne die antatschen zu wollen?

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Habe einen Apfel dabei, bin der Hit unter den dicken Ponys. Das Pferd hingegen ist bissig, ich weiche beim Bemerken nach hinten und fall beinahe in den Schlamm. Klar lachen die beiden anderen hämisch und bestehen darauf, genau das geahnt zu haben.

Weiter Richtung Gipfel, die Steigung ist jetzt wesentlich milder.

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ParKUHr! (Keine Schonung für solche, die Kalauer nicht zu schätzen wissen.)

Endlich eine Kuh die so passioniert über mich ist, wie ich über sie. Ich lache viel, ich verschlucke mich beim Kichern, der schwere Klumpen, der mich all die Wochen einnahm scheint … weg zu sein. Berge und Mittelscheitelbabykühe können das, die Leichtigkeit zurückbringen, wenn man dachte, gerade stehen wird länger nicht mehr drin sein. Den Mädels geht es ähnlich. Serotonin fährt ein, der Berg macht Freunde aus uns.

Bin kurz davor hier ein Edelweiss-Haiku einzubringen, muss jetzt aber Auflauf kochen, mit geklauten Frühlingszwiebeln vom Feld auf dem Nachhauseweg und Rotwein vom Laden um die Ecke. Das Leben ist gut. Ist wieder gut geworden. Glück fühlt sich so an.

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Hammertime. / Logbuch Sommer 2016/ IV

zwischen Salzburg und Innsbruck. 18.08.2016

Fahre mit Migräne auf der Autobahn. Könnte mir bessere Umstände für diesen Zustand vorstellen, aber Heinz stand noch in Salzburg, musste abgeholt werden, fühlte mich komisch ohne ihn in Innsbruck, als wäre mein dritter Arm weg und der war doch praktisch. Bemerkte schon in der Mitfahrgelegenheit nach Salzburg, dass ich noch off bin, aber naja.

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Kitschig wirds schnell mal, weil Sonnenuntergang: Schön. Motorrad: Auch Schön. Foto: Valentin Kouba

Später. Die Migräne hämmert von innen ein Relief in meine Schädeldecke, ich sehe Pausenbedarf ein und versuche eine Rastmöglichkeit auszumachen. Hoffe auf urige Hütten nahe der Strecke, die Grammerlknödel anbieten, in Österreich eigentlich nie weiter als einen Katzenwurf entfernt. Entdecke wenige Kilometer später ein enormes Schild mit Abzweigung zum Lerchenhof und folge.

Wär dies musikalisch untermalt, hier würde jetzt eine Plattennadel unsanft von der Platte abrutschen. Die ersten Häuser am Hügel sind beschriftet mit Bedienstetenhaus, bitte fahren sie weiter. Stelle Heinz im Schatten ab. Glücklicherweise klaut in Österreich quasi niemand. Lasse grundsätzlich meine Beladung auf dem Motorrad, in 3 Monaten ist nie etwas passiert, oder vllt impliziert meine improvisierte Verschnürung auch einfach, dass ich so viel Kohle wohl kaum mit mir herumschleppen werde. 

Irre durch Disneylandähnlichen Komplex mit Teletubby-Hügeln. Eigene Skischule, Liftstation, Friseursalon, Schönheitsareal und, fast seufze ich vor selbstmitleidiger Anstrengung in der Hitze den Berg hinauf, Restaurant mit Terrasse. Betrete die Hotel-Lobby. Frauen in Dirndln, Männer in samtigen Westchen. Alles blickt auf und mich an. Also nicht so oft Motorradvolk hier. Frage nach Terrasse, stumme Finger weisen mir den Weg. Ok, denke ich. Die werden wohl was zu essen haben, auch wenn das anscheinend keine übliche Raststation ist..

Betrete den Garten mit Pool und Golfwiese, am Eingang spielt ein Mann in Tracht
„The winner takes it all“ von Abba auf der HARFE. Frage mich nicht nur, ob das jemand glauben wird, sondern auch, warum mein Gehirn den Song zuordnen kann, nur weil ich vor Jahren bei einem Konzert der weltweit einzig offiziellen Abba-Doubles war. Warum, andere Geschichte. War es gut: Nein.

Es ist grad Jause. Buffet, 29€ pro Hotelgast. Das Publikum besteht aus flauschigen Bademänteln, ich bin die einzige Person unter 40, sowohl Alters- als auch BMI gemäß. Bin die einzige Person mit hochrotem Kopf, speckigem Unterhemd und Helm in der Hand. Ich passe nicht ins Bild, bin ein Klumpen in der Homogenität. Bin mein eigener Johnny im Komplex der Kellerman’s, oder aber ich habe kürzlich zu viele Kitschfilme konsumiert.
Senke den Blick, der pulsierende Schmerz kurz nach Hirnrinde findet Helligkeit semigut. Bin versucht meine Crossbrille wieder aufzusetzen, starren eh schon alle, aber belasse es bei einem Schattenplatz am Plastiktisch, unter weiß-gelbem Sonnenschirm, direkt am Pool. Hänge die schwere Protektionsjacke auf , hoffend, dass ein wenig Schweiß davon verdunstet, die Plastiklehne biegt unter dem Gewicht gen Boden, der Stuhl fällt.
Die mir nahe sitzenden Gäste verbergen ihr Starren nicht mehr.
Versuche in meinem feinsten, angepassten, langsamen NichtHochdeutsch ein Hollersoda zu bestellen. Die Kellnerin in steifem Dirndlstoff erklärt mir den Tagesteller, auf ihre Schürze sind kleine Vögel gestickt.  Kehre mit meiner Konzentration zu ihrem Vortrag zurück, nicke bei Leberknödelsuppe, die gehört zu meinen Lieblingen. Laut Karte ist die auch das Einzige in meinem Budget,sie wird wenig später gebracht, in Riesenschüssel, aber der Suppensee ist in Puppenhausgröße, immerhin: Flüssigkeit.

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Representation der persönlichen Fertigkeit. Foto: Valentin Kouba

Fahre weiter. Es geht ein bisschen besser, bin dennoch unfit. Denke: Mach ruhig. Fahr so weit du kannst, notfalls machste mehr Pausen oder nickerst irgendwo im Schatten. Fahre weiter.

Wie so oft benörgle ich meinen eigenen Charakter, den ein Freund beschreibt mit „Ganz oder Garnicht-Glori“ –

hab mich verfahren und bin auf der Autobahn gelandet, das geht hier schnell mal, um eine Felswand gekurvt und zack, am blauen dicken Schild vorbei. Hätte auf den ersten 100m noch umdrehen können, aber sowas seh ich nicht ein. Leider, denke ich nach 30km. Es ist nicht mehr ganz so viel ungewohnter Presslufthammer im Gesicht, wie das erste Mal auf der Autobahn, aber oh boy, Heinz und ich und die Zuladung und mein Helm ohne Visier, wir alle sind nicht gemacht für die Autobahn. Sind grad ein verlorenes Team, die Autos zischen links und rechts vorbei, ich denke an den Postkartenkitsch wenige Minuten zuvor, höre mein Navi im Ohrstöpsel nicht mehr. Wer nicht versteht: Der Unterschied von Landstraßen zu Autobahn mit Motorrad steht ungefähr in der gleichen Ratio an Genuss zu Heftigkeit wie guter Whiskey -> Stecknadeln essen. Beides kann man machen, beides macht was im Bauch, aber nur eins prickelt wohlig.

Lang genug schnell ohne Dach unterwegs, nimmt man Autos nicht mehr als Menschentransportschachteln wahr – sie werden zu fiesträgen Käfern, deren Vorhaben man nicht sehen kann. (Liebe Autofahrer: Blinken vor einem Spurwechsel ist in der Tat hilfreich, will man als Motorradfahrer nicht krepieren. Danke, ihr stumpfen Ficker.)
Die Sonne scheint, es regnet. Das grelle Licht bricht sich an meiner vollgespritzten Brille, langsam beschlägt sie auch von innen, ich sehe schlecht. Fahre auch nur noch auf Tankreserve, natürlich. Halte mich auf der rechten Spur und warte auf eine Tankstellenanzeige.

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Genervt und grad nicht sehr am Grinsen: Auch das ist Reisen. Charmant, wenn man auch dann stetig fotografiert wird. Foto: Valentin Kouba

Stau. Was als nächstes? Zische ich genervt vor mich hin. Es reicht doch allmählich mit den schwierigen Hürden!

Verbringe nach dem Tanken die restliche Fahrt mit Stop and Go-Verkehr. Darf auf dem Motorrad bei Stau nach vorn schlängeln. Bin nun mein eigenes Symbol der Genugtuung: Ich, gelb und schnittig, fahre grinsend. Autos: stehen. So macht das wieder Laune, so kanns weiter gehen. Amüsiere mich schadenfreudig vor mich hin, vergesse für eine Weile den Hirnschmerz.

Erreiche Innsbruck und falle der Länge nach ins Bett. Morgen gilt es, Berge zu bewandern, eine Tätigkeit, die ich zuletzt mit 12 unternahm. In Berlin, um den Müggelsee herum. Keinerlei Höhenunterschied. Ahne jetzt schon, dass mir meine Kraftsporterfahrungen da nicht soo sehr helfen werden.

nicht nichts. / Logbuch Sommer 2016 / III

Komme zurück vom Rennen in Insul und bin wie üblich nach solchen Events völlig erledigt. Doch diesmal ist mehr. Die letzten Monate schlagen über mir zusammen. Der Umzug nach Berlin, das Weggehen aus einer Stadt, auf die ich nicht klar kam, die auf mich nicht klar kam. Der Mann für den ich geblieben wäre. Alles kehrt auf einmal zurück und tritt mir einen Abdruck in den Brustkorb. Pause.

Innsbruck. 15.08. –

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liege im bett. draußen der berg, hinter dem fenster, wartet. er: draußen, wartet. ich: drinnen, versuch der nullexistenz. schlafe. immer wieder, ewig. schlafe zwei einhalb tage lang. dazwischen gucke ich filme, während wasser mein kinn verlässt. denke es ist soweit. entweder ist das hier mein kaputt gehen oder ich heile. was weiß ich.

dein name kriecht durch meine eingeweide, ich spüre die winkel und windungen, durch die du mich durchwanderst.

du dort, in deinem zuhause, unbeschwert. ich hier, zerfasernd. fair ist das nicht, aber das wir war auch nicht fair.

meine freundin anna, in deren WG ich rumliege, klopft ab und zu, schreibt mir nachrichten.

bist du wach?

schläfst du noch?

ruh dich aus.

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sobald ich abends schweren alkohol mit schweren joints kombiniere, kann ich lachen. ich erzähle, werde hörbar, schau in menschengesichter ohne meine ellenbogen vors gesicht halten zu wollen. so viel herzlichkeit wie hier in dieser kleinen stadt bin ich nicht mehr gewohnt. niemand hier dreht sich nach mir auf der straße um, wenn mein springender berliner satzklang hörbar wird. noch keiner hat mir piefke ins gesicht gezischt.

es wird von tag zu tag besser. dein geruch verflüchtigt sich, dein umriss bleibt länger, aber auch er geht. ich schüttle wien; um dich; in mir ab, vergesse, dass ich teil von euch war, will nichts mehr hören. das war eine andere zeit, ich habe dort nicht gelebt. 

denke an ein zuhause wie ans erwachen aus einem schiefen traum. 

 

 

 

 

Anhalten, dann schnell. / Logbuch Sommer 2016/ II

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Auch ohne Überbelichtung ist Salzburg eher farblos. Dafür hats ne top Skateszene.

Max amüsiert sich über meine Orientierungslosigkeit, die ich nicht schlimm finde, er auch nicht. Wir hängen auf der Couch und ich erzähle vom bisher Erlebten, Geschichten mit gemeinsamen Freunden. Eigentlich will ich am nächsten Morgen gleich weiter, doch: Es gießt wie aus Kübeln. Schon wieder. Diese Saison hatte ich auf keinem Event nicht mindestens einen Regenguss am Tag, ich hab die Schnauze voll. Beschließe einen Tag zu warten, nach den letzten Erfahrungen beim Almabtrieb, bin ich wenig scharf schon wieder im Regen zu fahren, will nicht dass sämtliches Material (Brett, Achsen, Tasche..) versifft. Dann regnet es am nächsten Morgen wieder. Warte noch einen Tag. Am dritten Tag mit Dauerregen lasse ich resigniert Heinz bei Max stehen und fahre mit der Mitfahrgelegenheit nach Innsbruck. Unterwegs teilt mir meine Freundin Anna mit, dass wir Abends bei Gregor bekocht werden, Oha denke ich. Bei der Konstellation: Das wird feuchtfröhlich.

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Schöne Anna und schönes Innsbruck.

Laufen dicht und stoned durch Innsbruck und ich fotografiere praktisch alles, was sich bewegt oder leuchtet. Weiß noch nicht viel über Belichtungszeiten und Blenden und stelle an Rädchen umher. Die anderen lachen und rufen, „Ey Karla Kolumna, nicht über den Boardstein stolpern!“

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Qui holt mich mit seiner großen Karre vor Annas Wohnung ab. Ich erinnere mich, wie wahnsinnig aufgeregt ich früher vor jedem Event war, besonders bei Rennen, wenn noch unbekannte Skater mit ihm Auto saßen. Der Wille, cool zu erscheinen war groß. Jetzt: Freue mich auf eine dramaturgische Zumutung an Songs als Playlist und zwei Mal schiefe Stimme beim Mitsingen.

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Nachbarn überall, auf der Autobahn, im Zeltdorf, in großen Kisten.

Vor allem: Stau, Stau, Stau. Immerhin treffen wir auf Olivier, der uns auf der nächsten Spur passiert. Vorfreude macht sich breit. In Insul werden hauptsächlich Bekannte aus der Deutschen Szene sein, Freunde, mit denen zusammen ich das skaten anfing oder die schon lange vor mir dabei waren. Insul war in 2010 mein erstes offizielles Rennen, ich fiel hier in der Gerade nach dem ersten Links-Sweeper einfach längs auf die Fresse, weil mich die Geschwindigkeit nervös machte. Bin gespannt wie es wird die Strecke jetzt zu fahren, nach 6 Jahren und etlichen Abwärtskilometern, meine Beine sind quasi alte Hasen.

Fast alle sind da, das Dorf ist komplett. Die üblichen Bilder am ersten Morgen: Oft, auch jetzt ist das dringendste Problem: Wo ist Kaffee, bei wem geh ich schnorren. Meine Ausrede mit dem mangelnden Gepäckplatz auf dem Motorrad zieht, Micha aus Leipzig versorgt mich mit Koffein, bei Lilli im Wagen komm ich zum Schlafen unter. Man hilft sich gegenseitig, oder: Alle mir. Höhö : Danke ihr Guten!

Die Strecke ist viel langsamer, als ich sie in Erinnerung hatte. Top speed ca. 75 km, persönliche Wohlfühlgeschwindigkeit. Spaßig ist es aber vor allem durch die vielen engen Runs, die hier möglich sind. Jede Kurve bietet Möglichkeiten. Ich stelle fest, dass das nicht unbedingt meine Rennstrecke ist. Durch mein verhältnismäßig hohes Gewicht (70kg, die meisten sind leichter als ich) bei den Frauen treibt es mich in den Kurven weit raus. Zudem brauchen viele Kurven nur ein minimales Bremsen, ich will aber keine Fußbremse machen, bin keine Liebhaberin dieser mehr. Finde sie wenig spaßig und auch gefährlich – crasht einen jemand von hinten, während man fußbremst, schlägts die ganze Körperlänge hin. Seit einiger Unfälle, bleibt das mein Ausschlusskriterium Nummer 1. Zudem siehts  meiner Meinung nach auch strange aus und verzögert zu langsam, und meiner subjektiven Einschätzung nach (noch korrekter kann ich mich hier wohl kaum ausdrücken) gehts im Rennsport ja unter anderem darum, so kurz wie möglich zu Bremsen. Klar, kann eine sehr gute Rennstrategie sein. Nur, ich erwähnte es schon, versuchen zu gewinnen, ist nicht mehr meine Priorität.

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Letzte Heelside Kurve vor dem Ziel. Am Fuß der Transponder für die Zeitmessung. Foto: Sarah Schneider

Tag 2. Die Quali zieht sich.  Da es mich nicht interessiert, ob ich in der Open Class mit den Männern Platz 70 oder 145 erreiche, beschließe ich zu Freeriden. Ziehe mich um und genieße die Straße zum ersten Mal ohne Leder. Fahre mit den anderen Rennunwilligen und habe Lieblingsruns. Wir spielen miteinander, umkreisen uns vor den Kurven, bilden Trains. Kurz: Alles, was ich am Downhill liebe. Nah sein, zusammen schweben in einer Kapsel aus Zeit, geschützt durch Geschwindigkeit.

Renntag. Es läuft gut für mich, bis ich Scheiße baue. Hab durch meinen guten Push am Start und mein Gewicht einen ellenlangen Vorsprung bis Kurve 1 und werde schluderig. Slide zu spät für mein Tempo und rutsche so weit raus, dass ich im Stillstand ankomme. Alle überholen mich. Pushe wie irre und gelange in dritter Position über die Ziellinie. Finde mich damit ab, raus zu sein. Eigener Fehler, muss man verdauen. Doch ich habe nicht bedacht, dass wir ein 5-Personen-Heat waren, somit bin ich doch im Finale.

Stehen zu fünft an der Startlinie. Es geht los. Lisa aus Holland hat einen überraschend starken Push, sonst ist das meine Geheimwaffe, fahre an zweiter Position hinter ihr los. Kurz vor dem ersten Sweeper überholt mich Jasmin aus Dänemark. Wundere mich noch, dass sie den so schnell auf der Linie fährt, da fangen beide im Stand an zu wobbeln. Mache auf hinter ihnen, werde misstrauisch.  Fahren nur mit Zentimetern an Abstand in die erste Linkskurve ein, Lisa slidet, überraschend früh und macht einen Double Pendy. Double-Pendie?? denke ich noch verdutzt, als ihre Rolle das Gras berührt, sie verlangsamt ungleichmäßig, ich rausche in sie rein. Jasmin fährt in mich rein. Finde mich sitzend auf meinem Brett wieder, ein fremdes Brett in der Hand. Gucke eine Sekunde lang wie eine Cartoon-Figur drauf, dann werfe ich es zum Rand, stehe wobbelnd mit Festhalten an der Nose auf meinem Brett auf, bin in erster Position, aber zu langsam. In der nächsten Kurve überholt mich Lisa, ich mach mich klein, kann sie einholen in der letzen links, denke ich. Jasmin ist mir auf den Fersen. Während der ganzen Zeit seh ich nicht Myri und Marieke, die beiden halten sich im Hintergrund, hinter den Slidenden. Fahren eng auf die letzte links zu, ich drifte ein wenig zu sehr, slide unsauber, passt aber, denke ich. Dann fährt Jasmin wieder in mich hinein. Ich überschlage mich nach vorn, rolle, sehe Himmel, stehe. Bin verwirrt, mein Brett, wo ist das? Das Publikum schreit, ich weiß nicht was. Sehe wie Jasmin ihr Brett hinstellt und antritt. Laufe hin und her, finde mein Brett, positioniere es falsch herum, dann richtig, dann Kopfstimme: Ist alles schon passiert, die sind alle im Ziel. Fahre  ruhig als letzte über das Timer-Kabel, in fünfter Position, mein Kopf ist jetzt leise, die Emotionen durchwühlen mich. Bin traurig, wütend, egal, zufrieden, erschöpft. Bin alles auf einmal. Passiert.

Was für ein Lauf, jetzt will ich ne Bratwurst. Jasmin kommt auf mich zu und redet von Crash, warum ich gecrasht sei. Bin verwirrt. Sage: Du bist in mich reingefahren? Sie sagt, sie wolle sich beschweren, der Crash sei in der Safetyzone kurz vor Ziel passiert. Ich, nochmal: Du bist doch in mich hineingefahren?! Frage mich, ob ich nicht doch doller auf den Kopf gefallen bin. Nach einem Moment entschuldigt sich Jasmin, auch sie ist überfordert mit dem Synapsengewitter.

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International Downhill Federation Podium Women

Dann kommt Stephan (Kolpatzik, einer der Organisatoren des Rennnens) auf mich zu und sagt: Deutsche Meisterschaft, Finale Frauen. Ich denke: Och nö. Und: Aber.. Bratwurst?

Wir fahren die Meisterschaft zu dritt aus. Ich mag keine Rennen mit so wenigen Starterinnen, komme mir lächerlich vor. Starte  nach Signal wieder an erster Position, kurz vor der ersten Links-Kurve überholen mich beide. Ich weiß von beiden, dass sie Schweitzer Fußbreme benutzen. Weiß nicht was ihre Linien sind, mache also auf und warte ab. Warte ab. Warte ab. Habe nicht mit so langen Bremslinien gerechnet, Sliden nimmt wesentlich schneller mehr Schwung raus. Carve sehr lange hinter ihnen in die Kurve hinein bis ich weiß, dass ich jetzt sliden muss, wenn ich nicht geradeaus weiter fahren will. Setzte meinen Slide an, in dem Moment zieht Myri gerade in die Kurve hinein, Ideallinie. Berühre eine Rolle von ihr und beide liegen wir wieder. Wir rappeln uns beide auf. Unentschlossen, wie jetzt weitermachen. Ist ja eh komisch, so als Freunde, in nem dreier-Heat. Rolle langsam aufrecht stehend. Winke sie heran, fahren wir halt auf einer Höhe. Doch Myri fährt auf Halbacht, wirkt nicht entschlossen den Rest in Konkurrenz auszufahren. Wir beide skaten den Rest in Freizeit-Tuck. Gemächliches Ende für ein turbolentes Rennen.

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Deutsche Meisterschaft Frauen Finale

Glückwunsch an Marieke für zweimal 1. Platz und an Lisa für den 2. im IDF Finale. Glückwunsch an Myri für zweimal 3., auch wenn fürs Podium keine Zeit war. Danke an die hart ackernden Jungs aus der Eiffel, ich hatte viel Spaß auf euer Hausstrecke! Froh bin ich über keine Verletzungen und gute Atmosphäre trotz Chaos.

 

Der verzögerte Start. / Logbuch Sommer 2016 / I

Im Folgenden meine einmonatige Flucht im Zickzack durch Deutschland und Österreich. Viel verlief ungeplant, der launische Sommer hat seinen Teil mehrfach dazu beigetragen und auch sonst lümmelte das Chaos gern nur eine Armlänge entfernt.

Wien / 9. August

Ein Check vor der längeren Fahrt ist notwendig. Fahre in der Werkstatt vor und frage wie aufgetragen nach Herrn Wurm, der wisse bescheid, Codewort „der Chef schickt mich“. Zwei Mechaniker fragen, was getan werden muss, während sie meinen gelben Heinz einkreisen, ihn nickend umzingeln. Sie bewegen die Köpfe viel und wohlwollend, es wird sanft die Sitzfläche berührt, ich hab das Gefühl die drei sehen sich nach Jahren wieder. Sie nicken auch mir zu, ich darf zum Club gehören. 

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Ich erkläre Überbelichtung bedingt durch Schrammelphone zum Stil der Stunde.

 

Sage meine Liste auf: Kette spannen, Ölen, durchchecken. Da stockt der Wurm. „Du bist die junge Frau mit dem Blog. Du schreibst die Artikel – wir haben die alle gelesen!“

Brauch ein paar Sekunden, bis ich begreife, dass da zwei echte Erwachsene mir sagen, sie lesen meine Sachen. Überlege kurz zu fragen, ob die Yamaha-Mitarbeiter dazu in ihren Mittagspausen gezwungen werden. Ein Gespräch über lange Haxen und niedrige Chopper folgt, ich erkläre, dass die XV leider nichts für mich war, für den Wurm schon, er fährt sie in Herbstgrün und lacht über meine Bezeichnung.

Verlasse den Hof und winke bis ich um die Ecke biege. Das Lächeln zum Abschied ist euch gedankt.

Mein neuer Seesack ist wasserfest, hat Befestigungsschlaufen, packt 65L  (verhältnismäßig wenig für Downhillgepäck, aber ich reise ja leicht), war nicht teuer und funktioniert tadellos – was ich vergessen hab zu bemessen, ist dass er nicht zwischen meine Achsstände auf dem Longboard passt, meine Packmethode auf Heinz‘ Rückbank jetzt also wackliger ist. Beschließe, eventuell auftretende Probleme Zukunfts-Glori zu überlassen und mache mich nach 1,5h des Schnürens auf den Weg. Vllt wäre Schnorcheln die einfachere Sportart, um es mit einem Motorrad zu kombinieren aber einfach ist wie gesagt nicht mein Steckenpferd. Um Gewicht zu minimieren hab ich für 4 Wochen nur drei Sätze Rollen mit, das ist wenig, zumal ein Worldcup-Rennen dabei sein wird, aber gewinnen ist für mich nicht mehr Priorität, meine Einstellung hat sich verändert seit einer Reihe Crashs, die buchstäblich auf meinem Rücken ausgetragen wurden. 

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Tetris next Level, der Endgegner heißt Fahrtwind und Fliegkraft bei 115km/h

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Fertig. Der zusätzliche Rucksack auf dem Rücken wird sich noch als ungut erweisen. Im Hintergrund die XV950 von Teamkollege Patrick.

Die Fahrt verläuft gut. Das erste Teil der Drittel der Reise findet auf der B1 statt, eine Route die ich schon kenne und der sich ohne Hilfsmittel folgen lässt. Rutsche in den Reisemodus hinein. Oft kommen beim Motorradfahren alte Songs in den Kopf, keine Ahnung woher, die ich dann mitsumme oder in den Kinnschutz meines Helmes brülle. Viele davon sind Rocksongs, obwohl das sonst nicht zu meinen üblichen Genres gehört, ist aber so ein Road-Trip-Ding, mein Gehirn generiert automatisch den Soundtrack zum eigenen Film. Bei langen Geraden löse ich meine linke Hand von der Kupplung/ vom linken Griff und stütze sie wie ein schiefer, vollgepackter Cowboy in die Hüfte, so wie ich es bei meinen Motorradkumpels beobachten konnte oder trommle sacht mit den Fingerspitzen auf dem Tank mit.

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Jap, mein Gepäck ist fast so hoch wie ich. Auch im Bild: Obligatorischer Käs-Leberkäs.

Obwohl ich mich in Radien der Hypersichtbarkeit bewege, bin ich doch gleichzeitig auf dem Motorrad allein auf der Straße. Vielleicht ist das der Hintergrund für den Motorrad-Gruß, das Handzeichen des Anerkennens, das sich Motorradfahrer gegenseitig signalisieren, ein herausstrecken der Hand aus der eigenen Blase für die, die um die Blase wissen. Oder ich romantisiere hier heftig einen Ritus, der aus einer Zeit kommt, in der man pro Tag nur einen Anderen von der eigenen Sorte gesehen hat. Ganze Essays könnt ich über diese Geste schreiben, aber vielleicht langweilt das auch Menschen die nicht so detailneurotisch sind (mögen sich meine viereinhalb Leser zu diesem Thema zurückmelden),  ich mag den Gruß. Leider bekomm ich ihn noch nicht lässig hin, ich freu mich zu sehr und winke lange mit hochgereckter Hand, erblicke ich einen Helm am Horizont, die Coolness ist weggeblasen, Männo, sage ich mir. Die wittern den Noob selbst im Gegenwind.

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Grün wird nicht langweilig. 1h vor Sonnenuntergang und der Hunger ist nicht mehr dezent.

Langsam zerrt die Zeit an mir. Ich bin seit 5h unterwegs und müsste rein theoretisch schon da sein. Ok, ich hab ein paar Pausen eingelegt, Landschaften aufgesogen und fotografiert, doch warum finde ich diese eine Abfahrt nicht? Der Nachteil an Google Maps mit Kopfhörer im Ohr ist, dass die App ohne Kommentar die neuen Routen generiert, man also gar nicht mitbekommt, dass man falsch gefahren ist, weil bereits die Alternativroute läuft, auf den Bildschirm kann man beim Motorradfahren nicht sehen. Fahre fast 3h in einem Dreieck, bis ich es geschissen kriege. Erreiche Salzburg hungrig, durstig und müde ohne Ende. Laufe mit 2% Akku in die Straße von meinem Kumpel Max ein, der mir hier ein Zuhause gibt und oft für quer durch Österreich reisende Freunde die Anlaufstation Nummer 1 ist. Jetzt chillen auf der Couch und schön wegnuffeln, damit ich morgen nach Innsbruck weiterdüsen kann.

und weg.

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Heinz und niemand sonst.

Eigentlich wollt ich besser vorbereitet sein. Ich habe immer noch keine Regenkombi, noch Navi, geschweige denn ne gute App auf dem Handy, zusätzlich ist gestern der Homebutton meines Schrammel-4S endgültig ausgefallen (ja ich weiß, gibts digital, war aber ein Akt den ohne Homebutton einzustellen..), Internet hab ich nur noch per Prepaid auf dem Handy, sobald ich in Deutschland bin, werde ich keins haben.

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20km vor Wien und meine Secondhand-Stiefel geben nach 7 Tagen Dauerregen beim Almabtrieb auf.

Die Stiefel sind noch nicht repariert von der letzten Tour, die Handschuhe eingelaufen vom tagelangen Regen, ich fahre die ganze Zeit mit nackten Händen, habe oft interessante Bräunung auf dem Handrücken, die Finger sind weiß.
Hatte wenig Zeit in den letzten zwei Wochen, musste noch überstürzter nach Berlin ziehen als ursprünglich geplant, naja, mein Zeug.

IMG_1129Das letzte Geld, das ich in Wien ausgeben wollte, ist für ein Messer drauf gegangen, wie so oft, der Spleen muss befriedigt werden. Eine alte Spiegelreflexkamera kam dazu, ich will wieder diesen Überraschungsmoment beim Abholen der entwickelten Bilder, außerdem war ihr Preis noch drin im Budget.

Da ich normaler Weise ein Technikspast bin, wird die Einfummelei mit der Minolta eine Aufgabe werden, ich hab mir die Bedienungsanleitung aufgehoben für Pausen beim Reisen, mal sehen wie die ersten Fotos werden, ich freu mich drauf. Praktisch ist das alles nicht, aber ich glaub, praktisch ist nicht mein Ding, außerdem hab ich gerade Lust auf Zeitlöcher, will nicht auffindbar sein, will mich in Wildnis verkriechen.

 

 

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Ronja Räubertochter – Moment beim nackigen Baden allein im Weiher.

Wieder bin ich ohne Wohnung, habe noch kein Zimmer in Berlin, egal. Egal. Ich muss jetzt weg. Meine fehlende Geduld kommt wieder ins Spiel, die und mein geknickstes Herz, ich verlass Wien wie ich damals hier angekommen bin, immerhin, ein Kreismoment. Kann auch seit Wochen nichts anderes von mir geben als dieses selbstmitleidige Geseiere, wer will das hören, niemand, deswegen schreib ich es hier hin, quetsch es raus. Die Ironie ist groß und hockt mir unpraktisch auf den Schultern, da sollte doch anderes Gepäck hin, aber gut, kommst du halt auch mit, du bist ja nun schon länger da.

Die grobe Planung besagt, dass ich jetzt ins Salzkammergut fahre, dann nach Freiburg zu Sophie, dort an meinem jetzigen Textprojekt arbeite, dann nach Insul (Worldcup Downhillrennen), dann zum Joyride (Freeride). Ob, wie, wann, was: Ich weiß es nicht. Mal schauen. So anstrengend meine nicht vorhandene Planung es manchmal macht, umso wohliger wirds, wenn ich mich nur nach Laune und Sonne richte, der Wind neben mir, ansonsten der jeweilige Ohrwurm im Kopf und ich auf der Straße. Ja ich weiß, ich bewege mich hier ausschließlich in Umgebung von ausgelutschten einsame Wölfin-Metaphern, aber ich hab Herzscheiße, steck bis zum Hals drin und die Ausläufer kriechen mir ins Hirn, machen andere Gedanken unmöglich. Hoffen wir, dass der klare Blick zurück kommt, wenn ich weit genug weg bin und lange genug auf Landstraßen mein tausendfach wiedergekäutes „Aber was wäre wenn..?“ in den Gegenwind gebrüllt hab. Falls du das hier liest: Ich werd dich vermissen, immerzu.

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Bis irgendwann, bis bald.

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Foto: Valentin Kouba / Schaaf GoPro

Bruce die SR, wir.

Nach der intensiven ersten Fahrt mit der SR400 hat sich die erste Aufregung irgendwann gelegt, ich und das nachtschwarze  (Wink mit der Blockhütte ob des Namens..) schöne Gefährt wurden sowas wie Freunde. Und damit da ein schöner roter Faden bleibt, setze ich mir in den folgenden Tagen immer mal meine liebsten Freunde hinter mich und sage: „Gut Festhalten. Vor allem beim Anfahren und in Kurven.“ Desweiteren bin ich jetzt ein Mensch, der so Sätze sagen kann wie: „Klar fahr ich dich nach Hause.“ oder „Waaaas hast du gesagt?“, wenn aus zwei Helmen Unterhaltungen gegen den Fahrtwind arbeiten.

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Auch selten: Wenn was mit dem Studentenbudget klar geht.

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Der Tankdeckel zickt, Lena bleibt geduldig.

Lena kommt vorbei. Sie ist klein und wiegt quasi nichts, optimale erste Mitfahrerin. Wir setzen uns grobe Ziele für den Tag, etwa bei einem Freund vorbeizusehen und fahren ansonsten drauf los. Zumindest die viele ungeplante Zeit erweist sich als richtig, Wien ohne Navi, mit zwei Fahrradfahrern auf nem Moped: Interessant. Irgendwann mimt Lena mit meinem alten Schrammel-Iphone in der Hand den Kompass, verfahren tun wir uns dennoch oft, aber: Wurscht. In Meidling, einem der größten Bezirke Wiens verfahren wir uns satte anderthalb Stunden, sowas lässt sich mit Stopps für Wassereis ebenfalls gut finden.

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Woran erkennt man einen freundlichen Motorradfahrer? An den Fliegen in den Augen. Visier nach wie vor nicht lieferbar.

Strecken auf der Hinfahrt sind in dieser Stadt nicht das gleiche wie auf dem Rückweg. Wir brettern auf dem Ring entlang, an dem Rathaus vorbei, dem Museumsquartier, klappern die Wahrzeichen ab und sind unser eigenes. 

Rollerfahrer fühlen sich grundlegend von uns herausgefordert, vor allem da zweimal langes Haar unterm Helm, oder weil Bruce so schön ist. An den Ampeln gas ich an, zwei Leute mit Faust in der Luft und Indianergeheul vorne, hinter uns die lange dicke Autoschlange.

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Die SR ist eine schöne Gurke. Sie blubbert ganz herrlich, die lange Sitzbank fühlt sich an: Wie ein kleines Sofa, das in einem Meter Höhe durch die Luft wischt. Zu zweit muss Bruce im ersten Gang schon ackern, aber ist halt auch keine Rennmaschine. Über den Tag verteilt winken uns Menschen aus Autos zu, alle finden das Moped schön, unsere Knattergeräusche vielleicht auch, die Laune ist gut, bedrohlich findet uns eigentlich keiner. (Verdammt. Vielleicht doch nächstes Mal wieder die Sturmmaske unterm Helm.)IMG_0003

Spät kehren wir zurück, die Nacht ist entspannt, kaum wer auf den Straßen, Bruce vibriert – man muss es sagen- angenehm,der Tank ist wieder voll.  100-120 km schafft der, so viel weiß ich jetzt als Richtwert, die Tageskilometeranzeige haben wir brav zurückgedreht.

Zum Abschluss gibts Käsekrainer und Almdudler – zwei Piefke in Wien. Morgen bring ich Bruce zurück, dann wird er verkauft und ich bekomm eine andere Maschine zum testen. Oh, sowas wie Abschiedsschmerz kommt auf.

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Das „Navi“ für die Fahrt zur Yamaha- Zentrale. Danke für den Tipp Felix!

Fotos: Lena Ures, Gloria Kupsch, Patrick Morawetz

Noob trifft Vintage.

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Vorläufiger Führerschein – der rosane kommt noch. YASS.

Hast du den Disclaimer gelesen? Du darfst mit dieser Maschine nicht auf die Autobahn, das ist ein Pressemodell und hat keine Vignette.

Während die Fistelstimme in meinem Kopf zur Tetrismelodie wiederholt: Motorrad, Motooorrad, ich krieg ein Motooorrad.  Nicke ich nach außen hin, mache mit ernstem Blick mmmhm, und ja klar-Geräusche. IMG_9901

Yamaha Österreich, Standort Biedermannsdorf nahe Wien. Folge Richard in die Werkshalle voller Yamaha-Gefährte. Er schiebt die dunkle SR 400 raus, Baujahr ca. 1994. Die hier hat nen Kickstarter, der kann schon mal tückisch sein. Bist du sowas schon gefahren? fragt er. Nein, sage ich.

Weiß der eigentlich, dass ich noch nie allein gefahren bin? Wissen die, dass ich kein echter Erwachsener bin? Frage mich, wann meine Tarnung auffliegt. Nach 27 Jahren Beifahrerdasein, gelingt es mir nicht, die surreale Blase abzuschütteln, die dieser Führerschein aufzieht.  Richie demonstriert mir das Antreten des Kickstarters.

 

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Rechter Fuß. Das ist die Seite, wo mein Knöchel seit einem beidseitigen Bänderrriss nicht mehr so schön tut.  Brauche 15 min bis die Maschine anfängt zu blubbern. Verstehe jetzt warum Motorradstiefel feste Sohlen haben. Sobald der Kickstarter sich verhakt und mein Fuß in Sneakersohle den Schwung des Tretens fressen muss,  brüllt mein Knöchel. Auch die 180 Kilo am Lenker festzuhalten, auszubalancieren, während das gesamte Gewicht auf dem linken Bein ruht und die Kraft in den rechten Fuß geballert wird.. nicht ohne. Meine Bauchmuskeln sind anschließend deutlich spürbar, ich bin nass geschwitzt. Der richtige Zeitpunkt, um meine wetterfeste Jacke mit den schönen vielen Protektoren anzuziehen.

Du hast nur die Reserve drin, ruft Richie mir nach, tank sobald wie möglich! Ich nicke und fahre davon. Ich. Fahre. Motorrad.

Ob man mir ansieht, dass ich keinen Plan hab? Eiere durch Biedermannsdorf und wiederhole in meinem Helm die Worte.  Keiner weiß, dass du ein Anfänger bist. Fahr einfach hier schön lange hin und her, zum an die Maschine gewöhnen. Oh. Stau im Dorf. Bleibe in meiner Spur hinter den Autos und schlängle mich nicht vorbei. Ok, jetzt weiß wahrscheinlich schon jeder, dass ich Noob bin. Wo muss ich überhaupt lang? Drehe mich zu den vier Mädels im Auto hinter mir und und rufe durch meinen Helm: Tankstelle? Während ich nach links und recht mit hoffentlich fragendem Zeigefinger deute. Sie zeigen nach rechts. Ich nicke.

Kreisverkehr, biege ab, lande nach 800 Metern auf der Autobahn. Mit einer Maschine, die kaum betankt ist, ohne Plakette. Werde unrund. Soll hier 100 fahren, aber 80 auf der SR fühlen sich an wie 120 auf der MT07, die ich durch die Fahrstunden gewohnt bin. Überall zischen Autos an mir vorbei. Bin winzig und weich, neben all den Metallkisten. Fahre auf der äußersten rechten Spur, notfalls Pannenstreifen, denke ich. Lerne Dinge wie Luftdruck von LKW’s und schnelle Spurwechsel kennen, hatte ich bisher nur in Theorie. Ich schwitze, bin meine eigene Badewanne.  Mein Helm hat noch kein Visier, der Fahrtwind frisst sich in die Augenwinkel, hinter die ungeeignete Sonnenbrille. Schiele permanent auf die Tankanzeige. Die geht noch nicht an. Alles easy, wiederhole es wie ein Mantra. Weiterhin ruhig bleiben.

Fahre verspannt wie ein Schraubstock ab, um durch Wiens Innenstadt zu meiner WG zu gelangen. 200m nach der Autobahn fällt im 1. Gang bergauf die Maschine aus. Shit, was ist? Kupplung nicht lang genug gezogen? Zu schnell ausgelassen?  Bekomme das Motorrad nicht mehr gestartet, schiebe es an den Rand und winke den dreispurigen Feiertagsverkehr der Hauptstraße an mir vorbei.

Notfallstimme: Kick sie wieder an. Bleib ruhig. Das könnte ein technischer Defekt sein. Keiner hält dich für einen Spasten.

Nach vielen anstrengenden Kickstart-versuchen  muss ich es einsehen: Der Tank ist leer. Jetzt leuchtet plötzlich die Tankanzeige. Cleveres Ding. Alte Maschinen und ihre Tücken, realisiere, wie gefährlich meine Fahrt gerade wirklich war. Schiebe 180 Kilo 300 Meter am Straßenrand den Berg hoch, bis ich die SR hinter einer Ampel abstellen kann. Immerhin, auf meiner Höhe hinter der Kreuzung: Eine Tankstelle.

Zerre mir Helm und Jacke runter, finde Person in Signalweste. Sage: Mein Motorrad steht da drüben. Ich brauch dringend einen Kanister und 95er Benzin. Ich hab noch nie getankt. Warum nicht, fragt er.

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Die Männer und Bruce. Mögen sich.

Murmele Dinge wie erste Fahrt, neue Maschine, Noob, Noob, Noob. Er ist nett, zeigt mir das mit Benzin und Kanister. Am Ende verweigert er mein Trinkgeld und drückt mich. Ijla rettet meinen Tag und weiß das.

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Nach einer Verschnaufpause mit Junkfood und Ruhe hats dann noch geklappt. Als ich endlich Peter, einen meiner Chefs ans Telefon bekomme, erzählt er mir auch von dem Trick, die Tageskilometer zurückzudrehen, damit man nach ca. 100-120km wieder zu tanken weiß. Der Rest der Fahrt ist himmlisch. Irre durch Nebenstraßen bis ich völlig zurfrieden Bruce vor meiner Haustür abstelle. Einfach so, ohne Parkticket. Das geht.  Ich habe jetzt ein Motorrad, lasse diese Info sacken. Grinse. Die ganze Zeit.

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Erstmal Kohlenhydrate und Analogkäse, gibt für alles den richtigen Moment.

Auf Hochtouren, erstmalig.

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Norman, ich. Selfie 4 lyfe.

Zum einen sind Fahrlehrer eine ulkige Gruppe Mensch, bestückt mit einem Typus Mann, mit dem ich sonst wohl nie so viel Zeit verbringen würde. Männer, denen ich wohl irgendwie ans Herz gewachsen bin, anders kann ich mir nicht erklären, dass Norman mich am Wochenenden ab 9 Uhr Morgens auf einen Motorradausflug mit zwei Freunden mitnimmt. Damit ich, Zitat: „Endlich lerne Motorrad zu fahren. Unter jeder Bedingung.“ Sicher, ich bin nicht die einfachste Schülerin, weil bereits 27 und schon lange raus aus Systemen, in denen ich brav und folgsam sein muss. Mach ja nicht aus Zufall Kunst und seltsame Sportarten, mich ziehts stark hin zu einer vermeintlichen (!) Regellosigkeit. Dazu dann noch Perfektionismus und die Vorliebe zu Fahrtwind und du hast eine schwierige Schülerin, sorry, ey. Kann aber trotzdem ganz netter Umgang sein, schwör.

Tour.

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Drei Yamahas, eine Kawasaki. Viel Brummen, viel.

Rückblickend hätte ich das Wetter genauer ansehen sollen, auch Wind und Temperatur im Schatten bedenken sollen, aber vielleicht lernt man das auch nur auf die harte Tour. Woher genau soll man wissen, wie viele Kleidungsschichten erforderlich sind, um bei Windstärke 7 (ich scherze nicht) und 110 km Fahrgeschwindigkeit nicht komplett durchzufrieren. Eine heiße Entdeckung konnte ich machen: Komplett perforierte Sommerlederhandschuhe sind auf jeden Fall nicht die Antwort.

So war die Aufregung um meinen ersten richtigen Trip getrübt durch acht Stunden permanentes Frieren. Ja, acht. Vllt hätte ich auch was frühstücken sollen, hatte aber nichts mehr im Kühlschrank. Wer in Wien wohnt und Sonntags Hunger hat, wird die Intensität dieses Problems kennen.

Schön wars dennoch.

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In dem Eierhof war ich pinkeln. Das ist jetzt eine Info im Internet.

 

„Ich hab dich beobachtet, was genau machst du mit den Armen? Warum winkelst du die an, sobald du schneller wirst und lehnst dich nach vorn?“

„Ich, äh, mach mich windschnittig“, sage ich. „Du brauchst gerade Arme und lenkst die Maschine von den Schultern her aus!“ Norman ist nicht zufrieden mit mir. Sein Bruder Willi wird unrund, er ist hier der gute Cop. „Norman! du kannst ihr trotzdem auch sagen, dass sie die beste Anfängerin ist, die du je mitgenommen hast! So einen Kurvenstil haben manche nicht nach 10 Jahren!“ Danke Willi, sage ich. Vielleicht doch nicht komplett alles falsch gemacht. Ich lächle matt.

Wir halten vor einem Restaurant. Es wird hin und her diskutiert, dann winkt Norman und deutet mir an, die Maschine vor dem Randstein links abzustellen. Gleichzeitig kommt von hinten ein Auto, ich werde unruhig. Das Rangieren mit der MT07 ist mir immer noch fremd, ich komm mir dabei dämlich vor, das Ding ist so schwer. Will leicht Gas geben um in Schrittgeschwindigkeit anzurollen, gebe zu viel Gas, lass die Kupplung los, ein Anfängerfehler, den ich bisher in keiner der Stunden fertig gebracht habe, das Motorrad stirbt ab und neigt sich. Da ich sitze und meine Beine gerade nicht weit geankert am Boden hab, kippt die Maschine schnell nach links. Mein Instinkt sie festzuhalten, verpufft ungläubig und schon fallen Motorrad und ich auf den Boden. Es ist still. Mein Knie schmerzt. Die Männer heben die Maschine auf und mich hoch. Norman: „Was machst du? Du kannst nicht angasen und die Kupplung schnell auslassen, das weißt du!“

Er haut mir spielerisch auf den Helm, dann sieht er den Schreck, der noch auf meiner Mimik hockt.

„Bist du ok? Hast du dir weh getan?“ Ich nicke und schüttle den Kopf. Bin ok, murmele ich. Kenn jawohl Stürze, kenn das alles, bin tough, macht schon nichts. Mein Mund labert ohne das mein Hirn zuhört, der Schreck krallt sich fest. Geh ein paar Schritte und merke, dass es ordentlich zeckt. „Warum konnt ich die nicht festhalten?“ sage ich. Ich bin stark. Raff das grad nicht, dass ich die nicht festhalten konnte.“ Bin sauer auf mich selbst, das verdaut sich schlecht.

Willi sagt sehr vorsichtig: „Die MT wiegt 200 Kilo. Die kannste unvorbereitet nicht einfach so festhalten. Die lässte dann beim nächsten Mal besser los, damit du nicht drunter liegst.“

Die Rückfahrt war ruhig. Ich bin wieder schnell gefahren und habe wieder über das zitternde Bild in den Spiegeln gestaunt. Ein Kumpel verriet mir später den Trick, bei schnellen Geschwindigkeiten die Kupplung zu ziehen, damit man was erkennen kann. So viele Tricks, so viel zu lernen. IMG_9732

Da ich ohne Norman und die gelben Fahrschultrikots nicht allein nach Hause fahren darf, fahren mich Kai und Willi nach Haus, ich hinten drauf bei Willi. Auf meinen Vorschlag, ich könne auch die Bahn nehmen, um keine Umstände zu machen, erwidert er:„Wir kommen zusammen, wir gehen zusammen“ – ein schönes Credo.

PS: Die Prüfung am letzten Dienstag hab ich bestanden. Freude ist kein Ausdruck, keiner. Mein Grinsen: kilometerweit.

Zeugs anhäufen – Motorradklamotten

Ich bin ein Projektmensch. Neue Sachen find ich eher geil, weil
a) bei Null erstmal nicht viel falsch gemacht werden kann
b) der Fortschritt viel und dick ist.
Motorradfahren also. Wo anfangen? Für meinen ersten Block an Fahrstunden brauche ich Zeugs. Was genau? Wie viel? Von wie viel Geld muss man da ausgehen?

Frage Kumpels und bekomme verschiedene Antworten, aber die Punkte

Helm mit Kinnschutz
Gute Jacke mit Protectoren
wasserdichte Schuhe
Handschuhe

tauchen öfter auf. Ok, denke ich. Is möglich.

Treffe Peter verpennt auf dem Weg nach Vösendorf. Peter war vorher Skatebekanntschaft, dann Kumpel und ist jetzt Kameramann, die Bezeichnungen werden immer abstruser, einer meiner Chefs isser auch, von außen sieht da keiner mehr durch.

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Der Spiegel verrät den Charakter meiner Hippie-WG.

Laufen in den riesigen Shop 2 Rad Börse Süd nahe Wien und ich denke „Oh. Hier lässt sich Geld loswerden. Gut, dass ich pleite bin.“
Die Helme erweisen sich alle als entweder hässlich oder ohne Kinnschutz. Der erste Helm, der mir gefällt, ist auch einer der wenigen in Größe S und leider nicht ganz billig, da geil und Oldschool Look und so. Passt wie angegossen, ist mir noch nie passiert. Ok, Helm: Check. Was noch?

Handschuhe. Das hier sind die Frauenhandschuhe, sagt die Verkäuferin und grenzt mit einer wischenden Geste ungefähr 2% der großflächigen Handschuhfläche ab.

Tribals – nö.
Pinke streifen – nö.
Oh guck, die hier.. doch nö. Haben keinen Knöchelschutz.

Die Frauenhandschuhe passen teilweise gut, sehen aber kacke aus.
Bei den Männern hängen ok-aussehende Modelle, aber die Größen stimmen nicht. Habe lange, aber schmale Finger. Hm. Müsste lügen, wenn ich das nicht in jeder einzelnen Sportart schon so kenne.

Entscheide mich für ein schlichtes schwarzes Modell, auch mit die günstigsten, nicht für Frauenhände mit eher dünnem, weicherem Knöchelschutz. Fürn Anfang… denke ich. Wird schon ok sein.

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Ich verlange einen Fleißpunkt für Inszenierung.

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Der restliche Einkauf läuft ähnlich ab:
Verkäuferin: Ja also hier hätten wir die Damenjacken.
Glori: Oh. Das sind wenige. Gibts auch welche ohne pinkes Zeugs oder Tribals?
V: Die hier. Die ist braun.
G: Ja aber die hat orangene Streifen. Will ich nich.
V: Dann gibts nur die Schwarze hier. Die bedeckt aber nicht die Nieren, wenn Sie sitzen.
G: Ahja…ich probiere mal die hier.
V: Aber die is schon sehr schlicht.
G: Ist ok, gibts die Schuhe hier in ner 40,5?
V: Das sind Männerschuhe.
G: Is mir wurst.
V: Na gut.Was noch?
G:Den Helm und die Handschuhe hier nehme ich auch.
V: Das ist ein Männerhelm. Und Männerhandschuhe.
G: Darf ich die trotzdem kaufen?
V: Ja.
G: juhu.

Nehme eine schwarze, Regenfeste Jacke mit Ellenbogen-, Schulter- und Wirbelsäulen-Protection und rausnehmbaren Innen-Daunenfutter.

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Während der ganzen Zeit probiere ich viel an, Peter filmt. Da wir das zusammen schon seit meiner ersten Auto-Fahrstunde machen und man Peter auch privat ohne Kamera eher selten sieht, nehme ich das nicht mehr wahr. Alle anderen hingegen schon.

Bemerke, dass die Verkäufer uns irritiert beobachten. „Peter“ sage ich. „Ich glaub die halten dich für meinen Sugar Daddy!“ „..mit nem Spleen für Homevideos“, ergänzt er.